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Renaissance in Deutschland

Fruchtkasten (Stuttgart)

Stuttgart

Fruchtkasten (Stuttgart)

Im Herzen der Residenzstadt war dieser hohe Bau zuerst eine herzogliche Kelter, dann ein Getreidespeicher: Hier maß der Speichermeister das Korn des Fürsten und überwachte die Ladeluken unter dem Dach. 1596, um den Schlossplatz freizulegen, lässt Herzog Friedrich I. dem Gebäude fünf Meter abtragen und von Schickhardt die heutige Renaissancefassade aufrichten, mit Voluten und Gesimsen — gekrönt von einem schelmischen Detail: einem Bacchus, der auf seinem Fass reitet, ein Augenzwinkern zum herzoglichen Wein auf der Spitze eines Kornspeichers. 1944 ausgebrannt, der Giebel 1945 eingestürzt, wurde er getreu wiederaufgebaut; und heute hat die Musik — eine Sammlung von Tasteninstrumenten — das Korn ersetzt.# Der FruchtkastenAm Stuttgarter Schillerplatz, nahe dem Alten Schloss und der Stiftskirche, erhebt sich ein hoher Bau, bekrönt von einem Renaissance-Volutengiebel: der Fruchtkasten, der einstige herzogliche Speicher. Als bloße Wein- und dann Getreidereserve erhielt er 1596 von Heinrich Schickhardts Hand eine kunstvolle Fassade, gekrönt von einem Bacchus auf dem Fass. Ehrlichkeit: 1944 ausgebrannt, wurde sein Giebel getreu in seiner Form von 1596 wieder aufgerichtet — diese Fassade trägt heute die Renaissance.

Was man sehen sollte

Betrachten Sie den Giebel: einen hohen Renaissancegiebel mit Voluten, von Stockwerksgesimsen gegliedert, mit achsensymmetrisch angeordneten Fenstern, durchbrochen von kleinen Ladeluken, durch die man einst die Säcke hinaufzog. Es ist das typische Vokabular der süddeutschen Renaissance, nicht auf einen Palast, sondern auf einen Zweckbau angewandt.

Auf der Giebelspitze suchen Sie die Figur, die dem Werk seinen Reiz gibt: einen Bacchus auf einem Fass reitend, eine fröhliche Anspielung auf die ursprüngliche Funktion des „Fruchtkastens" und auf den herzoglichen Wein. Der übrige Bau ist nüchtern, massig, zweckmäßig: ein Speicher, allein durch seine Fassade geadelt. Treten Sie auf den Schillerplatz zurück, um die Szene zu überblicken: Der Fruchtkasten steht neben dem Alten Schloss und der Stiftskirche, und seine rote, gegiebelte Gestalt schließt einen der schönsten Plätze Stuttgarts. Dann treten Sie ein: Die einstigen Speicher bergen heute eine Sammlung von Tasteninstrumenten — Cembali, Spinette, Hammerflügel vom 17. bis zum 20. Jahrhundert. Wo man das Korn häufte, klingt nun die Musik.

Geschichte

Der Bau ist alt: Er wird schon 1393 als große herzogliche Kelter hinter dem Stiftskirchhof erwähnt. Zum Getreidespeicher (Fruchtkasten) umgewandelt, dient er der Residenzstadt als Reserve. 1596 beauftragt Herzog Friedrich I. seinen Baumeister Heinrich Schickhardt mit der Neugestaltung des Schloss- und Kanzleiplatzes. In diesem Zuge werden fünf Meter des Fruchtkastens abgetragen und die heutige Renaissancefassade errichtet.

Dann kommt der Krieg. 1944 brennt der Bau; im Jahr darauf stürzt der Giebel ein. In den 1950er Jahren reißt man beim Wiederaufbau die Rückfront ab, um einen Heizungskeller einzurichten, und modernisiert das Innere — doch man gibt sich größte Mühe, den Giebel in seiner Form von 1596 wieder aufzurichten. Die Renaissancesubstanz des Baus liegt also vor allem in dieser wiederhergestellten Fassade. Heute beherbergt der Fruchtkasten das „Haus der Musik", eine Außenstelle des Landesmuseums Württemberg: Es zeigt Tasteninstrumente vom 17. bis zum 20. Jahrhundert.

Symbole und Geheimnisse

Der Fruchtkasten sagt eine Wahrheit der bürgerlich-fürstlichen Renaissance: Man schmückt nicht nur Paläste, man adelt auch die nützlichen Bauten. Ein bloßer Speicher erhält einen kunstvollen Giebel, weil er den Platz des Fürsten säumt und ihm würdig sein muss. Der Bacchus auf dem Fass schließlich ist ein Geistesblitz: Er erinnert, nicht ohne Humor, dass dieser „Kasten" zuerst eine Kelter war und dass unter diesen Mauern der Wein floss. Die Funktion spottet ihrer selbst im Ornament. Und die Entscheidung, einen Zweckbau am Rand des fürstlichen Platzes so zu pflegen, sagt den Ehrgeiz eines Herzogs, der eine geordnete Hauptstadt wollte, in der selbst die Speicher Stil hatten — das Stadtprogramm eines Fürsten der ausgehenden Renaissance.

Warum dieses Monument zählt

Weil er die Renaissance vom Palast zum Zweckbau herabsteigen zeigt, und weil sein Giebel, nach dem Krieg getreu wiederaufgerichtet, einer der wenigen Zeugen von Schickhardts städtebaulicher Geste um den herzoglichen Platz Stuttgarts bleibt. Und weil ein einstiger Speicher, der zum Haus der Musik wurde, auf seine Weise das lange Leben der Steine erzählt.

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