Halten Sie im Hof inne, dort, wo der junge Ritter sein Pferd erwartet. Über ihm steigen drei Arkadengeschosse auf, und an den Galerien drängen sich die Damen und der Hof: Denn dieses Geviert ist nicht bloß Architektenschmuck, es ist ein Turnierquadrat. Gleich gilt es, das Ringstechen zu reiten, eine Lanze vor den Augen Herzog Christophs zu brechen, im Hufgetöse, das die Loggien zurückwerfen. Das Italien der Galerien, der alten Wasserburg aufgesetzt, spricht den Ehrgeiz eines Fürsten aus: Württemberg in die Moderne der Höfe zu führen — ohne das Alte abzutragen, indem man es schmückt.# Das Alte Schloss StuttgartIm Herzen Stuttgarts bewahrt das Alte Schloss hinter seinen massigen Mauern und Rundtürmen ein Geheimnis, das sich auf einen Schlag enthüllt: einen Innenhof, umschlossen von drei Geschossen Arkaden, luftig, italienisch, mitten im lutherischen Deutschland aufgetaucht. Von 1553 bis 1578 verwandelte der Baumeister Aberlin Tretsch hier eine mittelalterliche Wasserburg in eine Renaissance-Residenz der Herzöge von Württemberg.
Was man sehen sollte
Durchschreiten Sie das Tor und verweilen Sie im Hof: An drei Seiten steigen übereinandergestellte Arkadengalerien über drei Geschosse auf, getragen von Säulen mit antikisierenden Kapitellen. Die Wirkung ist ergreifend — diese Leichtigkeit einer italienischen Loggia, eingefasst in eine Festungshülle. Der Hof war zuerst als Turnierquadrat gedacht, Ort der Kampfspiele und Hoffeste; die Galerien dienten als Tribünen.
Treten Sie in die Schlosskirche (1558-1562): Sie ist einer der ersten von vornherein für den protestantischen Gottesdienst gestalteten Sakralräume, mit zentral gestellter Kanzel und Altar, damit das Wort trägt. Altar und Kanzel stammen vom Hofbildhauer Sem Schlör. Das Schloss beherbergt heute das Landesmuseum Württemberg, wo man unter anderem die herzoglichen und königlichen Kronjuwelen entdeckt.
Geschichte
Eine erste Wasserburg stand hier schon im Mittelalter. Als Christoph von Württemberg (1515-1568) Stuttgart zu seiner Hauptstadt macht, will er eine eines modernen Fürsten würdige Residenz. Er überträgt den Bau Aberlin Tretsch (um 1500-1577), seinem Werkmeister, unterstützt von Blasius Berwart. Ab 1553, und besonders ab 1557 für die Arkaden, wandelt sich die alte Festung: Man reißt nahezu zwei Drittel der mittelalterlichen Bauten im Nordwesten ab, um den neuen Hof zu öffnen. Christophs Sohn, Herzog Ludwig, vollendet das Ganze um 1578.
Christoph ist nicht nur Bauherr: Er ist der Organisator der lutherischen Kirche und des Staates von Württemberg, methodischer Gesetzgeber, der sein Land mit einer großen Kirchenordnung (1559) und dauerhaften Einrichtungen ausstattet. Seine Kirche mit zentraler Predigt ist dessen gebautes Spiegelbild. Von der alten Wasserburg bestehen noch die Rundtürme und der Dürnitzbau, der große niedrige Flügel mit gewölbten Sälen: Das Neue verdrängt das Alte nicht, es umhüllt es. Das Schloss erlebt später Prüfungen — einen schweren Brand 1931, die Zerstörungen von 1944 —, wird aber geduldig wiederhergestellt; Renaissancehof und Kapelle sind sein wiedergewonnenes Herz.
Der Hof selbst bleibt die Bühne eines verschwundenen Zeremoniells: Man ritt hier das Ringstechen, brach Lanzen vor den auf den Galerien sitzenden Damen, gab Feste und feierliche Einzüge. Sich diesen Lärm von Hufen und Jubel vorzustellen, unter den drei Arkadengeschossen, heißt, dem Stein seine erste Bestimmung zurückzugeben — kein stilles Museum, sondern eine höfische Szene.
Symbole und Geheimnisse
Warum diese italienischen Arkaden auf einer deutschen Festung? Weil Christoph in Stein verkünden wollte, dass Württemberg in die Moderne der europäischen Höfe eintrat. Der Loggienhof ist das an den Norden gerufene Italien; doch man pfropft es auf alte Mauern, ohne alles abzutragen — das genaue Bild einer deutschen Renaissance, die durch Pfropfung und Kompromiss voranschreitet, nicht durch Kahlschlag. Die Kapelle wiederum spricht die andere Revolution des Jahrhunderts aus: einen Glauben, in dem die Predigt, nicht mehr der ferne Altar, die Mitte einnimmt.
Warum dieser Ort zählt
Weil der Hof des Alten Schlosses zu den schönsten Renaissance-Schöpfungen des deutschen Südwestens gehört und das Manifest eines Herzogs ist, der aus Württemberg einen geordneten, protestantischen Staat machte. Aberlin Tretsch erfindet hier das Modell der modernen herzoglichen Residenz der Region — ein Modell, das er danach in Göppingen und anderswo anwendet.

