Auf einem Felsvorsprung über dem Tal der Freiberger Mulde, im Landkreis Meißen, ging das Schloss Nossen aus einer Feste des 12. Jahrhunderts hervor. Nach der Reformation und der Säkularisation des benachbarten Zisterzienserklosters Altzella ließ Kurfürst August von Sachsen es von 1554 bis 1557 zu einem Renaissancesitz umbauen.
Was zu sehen ist
Der Bau zeigt eine von seinem Westflügel geprägte Silhouette, den drei Halbtürme gliedern und der dem Schloss sein erkennbares Renaissancegesicht gibt. Der Wiederaufbau des Kurfürsten August nutzte die alten Fundamente — ganz der üblichen Sparsamkeit der sächsischen Baustellen der Zeit folgend, die das neue Vokabular auf die mittelalterliche Masse pfropften. Die Erweiterungen reichten bis ins 17. Jahrhundert, das Ganze erhielt mit dem Torturm von 1682 und der Steinbrücke von 1714 seine vollendete Form. Das Schloss beherbergt seit 1996 ein Museum zum regionalen Adel — besonders den Familien von Schönberg und von Friesen — und zur Geschichte des Ortes; es veranstaltet Konzerte und Führungen. Für den Atlas gilt Nossen als klares Beispiel dafür, wie der kurfürstliche Staat Sachsens nach der Reformation die festen Plätze des Mittelalters wiederverwendete und sie mit der Renaissancesprache einkleidete.
Geschichte
Die ursprüngliche Feste gehörte zum Kloster Altzella, dem großen Zisterzienserkloster und der Grablege der Meißner Markgrafen. Die reformationsbedingte Säkularisation brachte den Ort unter die unmittelbare Hand des Kurfürsten, der dort eine Residenz und einen Verwaltungssitz einrichtete. Später geriet das Schloss in große Ereignisse: Gräfin Constantia von Cosel weilte 1716 kurz hier, ehe sie auf Stolpen eingekerkert wurde, und Napoleon schlug am 7. und 8. Mai 1813 sein Hauptquartier auf. Seit 1994 gehört der Bau dem Land Sachsen, die Restaurierung begann in den 1980er Jahren. So zeigt Nossen die Kontinuität eines strategischen Ortes, vom mittelalterlichen Kloster zur Renaissanceresidenz des Kurfürsten und weiter zum Museum: eine Kontrollposition, die immer wieder neu besetzt wurde und deren entscheidende Wende die Renaissance setzte.

