In Neustadt am Rübenberge, nördlich von Hannover, wurde Schloss Landestrost von 1573 bis 1584 für Herzog Erich II. von Braunschweig-Calenberg-Göttingen errichtet. Schon sein Name — „Trost des Landes" — nennt den Ehrgeiz des Bauherrn: seine Macht durch ein Weserrenaissance-Schloss zu behaupten, einer modernen Festung verbunden, von der die Nord- und Ostflügel heute bestehen.
Was zu sehen ist
Von der ursprünglichen Anlage bleiben der Nord- und der Ostflügel, in der Renaissance neu gebaut, während der aus der Vorgängerfestung übernommene Südflügel 1635 beschädigt wurde und 1636 einstürzte. Unter dem Schloss ziehen sich Gewölbekeller mit Kasematten hin, und es bestehen die Südbastion und etwa hundert Meter Kurtine: Landestrost ist also als Schlossfestung zu lesen, in der sich die Renaissanceresidenz mit einem italienischen Verteidigungssystem verbindet, das aus dem Süden berufene Ingenieure entwarfen. Graben und Erdwerke ergänzten die Anlage. Der Ort ist in dieser Doppelnatur zu betrachten: ein Wohnbau mit Renaissancevokabular, eingefügt in eine moderne Bastionsanlage, ein treues Bild des Fürstenschlosses des späten 16. Jahrhunderts, Prunksitz und Kriegsplatz zugleich.
Geschichte
Herzog Erich II., ein katholischer Fürst im Dienst des Kaisers, wollte in Neustadt eine Residenz und einen festen Platz, die sein Calenberger Land halten konnten. Nach seinem Tod 1584 vollendete sein Neffe Herzog Julius die unfertigen Arbeiten. Die Kriege des 17. Jahrhunderts beschädigten den Südflügel, danach kannte das Schloss wechselnde zivile Nutzungen. Heute gehört es der Stiftung Kulturregion Hannover und beherbergt unter anderem einen Sektkeller (seit 1888), das Regionalarchiv, ein Gericht, eine Volkshochschule und Kulturveranstaltungen. Für den Atlas zeigt Landestrost die fürstliche Renaissance der unteren Weser in ihrer militärischen Variante: eine Residenz, die Bequemlichkeit und Befehl nicht trennt und deren erhaltener Teil — Flügel, Keller, Bastion — das Zusammenspiel von Palast und Festung noch lesbar macht.

