In Stadthagen errichten die Grafen von Schaumburg schon in den 1530er Jahren eines der allerersten Schlösser der Weserrenaissance: ein frühes Manifest, noch ehe der Stil das ganze Tal erfasst. Wappenportal, regelmäßige Flügel, beginnender Reliefschmuck: Man erlebt hier die ersten Worte einer steinernen Sprache, die Schule machen wird. Es ist das Laboratorium einer bauenden Dynastie.
Was man sehen sollte
Stadthagen ist bedeutend durch sein Datum: Mit dem Ende der 1530er Jahre gehört es zur ersten Generation der Weserrenaissance, als der Stil die Alpen eben erst überschritten hatte. Der aus Süddeutschland stammende Architekt Jörg Unkair wendet hier einen regelmäßigen Grundriss an — eine Vierflügelanlage um einen Hof — und Ziergiebel, die der ganzen Schule als Vorbild dienen. Außen ist diese frühe, noch schlichte Silhouette zu sehen, in der sich die Renaissance in Regelmäßigkeit und Giebel ausspricht.
Der Schatz liegt im Inneren: die reliefierten Kamine des flämischen Bildhauers Arend Robin, darunter der „Triumph der Elemente" (1576) und der „Bacchische Triumph" (1604). Diese großen steinernen Kamine, mit allegorischen und mythologischen Szenen bedeckt, zeigen den humanistischen Geschmack eines kleinen Fürstenhofes, genährt von Stichen und antiken Vorbildern. Sie machen Stadthagen nicht nur zu einem Markstein der Architektur, sondern auch zu einem seltenen Hort der zivilen Dekorationsskulptur der Renaissance in der Region.
Geschichte
Ein Wasserschloss der Grafen von Schaumburg bestand hier seit dem 13. Jahrhundert. Graf Adolf XI. lässt von 1535 bis 1539 die Residenz im neuen Stil wiederaufbauen und überträgt den Bau Jörg Unkair. Diese Wahl ist entscheidend: Unkair, aus Lustnau bei Tübingen, ist einer der Männer, durch die die Renaissance des Südens in den Norden dringt; sein Werk in Stadthagen, dann anderswo in der Grafschaft, begründet das Vokabular der Weserrenaissance. Im Lauf des 16. Jahrhunderts erhält das Schloss seine von Arend Robin geschnittenen Kamine (1576, 1604).
1608 verlegt Graf Ernst von Schaumburg den Regierungssitz nach Bückeburg: Stadthagen hört auf, Hauptstadt zu sein, und sein Schloss verliert seine zentrale Wohnfunktion. Diese Verdunkelung hat den Bau paradoxerweise geschützt, weniger umgestaltet als andere. Später an den Staat übergegangen, beherbergt das Schloss heute Verwaltungsdienste (Finanzamt) und ist nach Vereinbarung zu besichtigen; der wesentliche Teil seiner Renaissancesubstanz — Grundriss, Giebel, Kamine — hat die Jahrhunderte überdauert.
Symbole und Geheimnisse
Stadthagen ist das Schloss der Anfänge. Seine Kamine bezeugen das Programm eines kleinen humanistischen Hofes: die Elemente, die antiken Götter, den Zug des Bacchus aufzurufen, heißt eine Bildung zu zeigen, einen Platz im Kreis der gelehrten Fürsten zu beanspruchen. Das Geheimnis des Ortes liegt in dieser Frühe: Vor den großen Weser-Wasserschlössern der 1600er Jahre hatte Stadthagen schon 1539 die Grundsätze gesetzt — Regelmäßigkeit, Giebel, gelehrter Zierrat. Es ist die Quelle, aus der die ganze Schule zum Teil hervorgeht.
Warum dieser Ort zählt
Weil Stadthagen das Quellschloss der Weserrenaissance ist: eines der ersten, jenes, durch das der Architekt Jörg Unkair die neue Art in den Norden einführt. Mit den Kaminen Arend Robins bewahrt es überdies ein seltenes Ensemble ziviler Dekorationsskulptur des 16. Jahrhunderts. Wer verstehen will, woher die Weserrenaissance kommt — und nicht nur, wohin sie in Hämelschenburg oder Bevern gelangt —, muss durch Stadthagen gehen, wo alles begann.

