An der Weser ist das Rathaus von Nienburg ursprünglich ein spätgotischer Backsteinbau des 15.-16. Jahrhunderts. Nach 1582 wurde es im Stil der Weserrenaissance umgestaltet: Sein Staffelgiebel und sein Portal, 1585 datiert, machen es zu einem der schönsten bürgerlichen Zeugen des Stils im mittleren Flusstal.
Was zu sehen ist
Die schmale Westfassade trägt einen Staffelgiebel, der eine zweigeschossige Auslucht bekrönt: Jede Staffel schmückt sich mit kleinen welschen Giebeln mit Palmettenfüllung und Kugelbesatz, während Sandsteinlisenen und waagerechte Gesimse die Fläche gliedern. Das als Ädikula gestaltete Portal trägt in seinem Giebel das Wappen mit dem Braunschweiger Löwen und die Jahreszahl 1585. An der Nordseite erinnert ein Stein mit der Jahreszahl 1533 an die ältere gotische Phase. Der Bau ist also in zwei Zeiten zu lesen: der Backsteinkörper der ausgehenden Gotik, dann das nach 1582 aufgesetzte Weserrenaissance-Gewand, das ihm sein heutiges Relief und seinen Glanz gab. Die siebenachsige, von Pilastern und Gesimsen gegliederte Komposition fasst den Übergang von der zweckmäßigen Gotik zur Renaissancerepräsentation zusammen.
Geschichte
Nienburg, Stadt an der mittleren Weser, den Grafen von Hoya und dann den Welfen gehörig, gab sich im 16. Jahrhundert ein Rathaus nach dem Maß seines Flusshandels. Die Umbaukampagne nach 1582, am Portal von 1585 vollendet, stellt die Stadt in die große Bewegung der Weserrenaissance, die damals alle Städte des Tals erfasste. Das Wappen mit dem Braunschweiger Löwen am Portal markiert die politische Zugehörigkeit der Stadt. Für den Atlas zeigt das Nienburger Rathaus die bürgerliche Renaissance der mittleren Weser: keine Neubauleistung, sondern die Modernisierung eines mittelalterlichen Stadthauses, dessen Staffelgiebel und Portal von 1585 am Marktplatz den Wohlstand und Rang einer Handelsstadt am Fluss zeigen.

