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Renaissance in Deutschland

Schloss Barntrup

Barntrup

Schloss Barntrup

Von 1584 bis 1588 ließ Anna von Canstein, Witwe des Franz von Kerßenbrock, dieses zweigeschossige Herrenhaus mit runden Ecktürmen errichten. Es zählt zu den am besten dokumentierten Bauwerken der Weserrenaissance, denn die Baurechnungen und die Leistungsnachweise des Baumeisters Eberhard Wilkening sind erhalten — ein seltener Glücksfall, der den Bau Rechnung für Rechnung nachvollziehbar macht.

Was zu sehen ist

Der zweigeschossige Wohnbau mit runden Ecktürmen wird zuerst durch seine Bossensteinfassade bestimmt: ein Mauerwerk aus vortretend behauenen Quadern, die das rohe Gestein nachahmen und der Wand Wucht verleihen. Barntrup gilt als der erste Weserbau, der diese aus italienischen Palästen entlehnte und über Musterbücher verbreitete Rustika übernahm. Die Ecktürme stehen nicht als nachträglich vorgeblendete Wehrbauten da, sondern sind in den Wohnbau eingebunden — ein für Westfalen neues Konzept, das eher das Lustschloss als das feste Haus ankündigt. Fensterrahmungen, Eckquaderungen und Gesimse aus Sandstein ergänzen dieses maßvolle Zierwerk des lippischen Landadels.

Geschichte

Der rundbogige Torbogen am Eingang wurde schon 1577 vollendet, noch vor dem Herrenhaus, das an einen bestehenden Wirtschaftshof anschloss: die Reihenfolge der Arbeiten, vom Tor zum Wohnbau, zeigt den allmählichen Wandel eines Gutshofs zur Residenz. Auftraggeberin war eine Witwe, Anna von Canstein — ein Hinweis auf die Rolle adliger Frauen bei solchen Prestigebauten. Die Anlage blieb der Familie von Kerßenbrock, ehe spätere Jahrhunderte sie veränderten. Durch seine erhaltenen Akten dient Barntrup heute als Bezugswerk, um die Wirtschaft eines Weserschlosses zu verstehen: Löhne der Steinmetzen, Herkunft der Materialien und Dauer der Bauabschnitte lassen sich hier ablesen. Dieses ornamentale Vokabular entfaltete sich im ganzen Wesertal etwa zwischen 1520 und 1620, getragen von einem niederen Adel und von Städten, die mit bearbeiteten Fassaden wetteiferten. Barntrup markiert einen seiner Anfänge und ist deshalb mehr als ein kleines Landschloss: ein früher Prüfstein des Stils, an dem sich spätere Bauten orientierten, bis hin zu Wilkenings eigenen späteren Werken in Wendlinghausen und Haddenhausen.

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