HitsMap

Renaissance in Deutschland

Schloss Schwöbber

Aerzen-Schwöbber

Schloss Schwöbber

In Schwöbber bei Aerzen gönnt sich ein Edelmann des Wesertals einen italienisch anmutenden Arkadenhof, versetzt unter den niedersächsischen Himmel. Zwischen 1565 und 1606 wird aus dem alten Herrensitz ein Lustwohnsitz, gegliedert von Galerien und reich verzierten Giebeln. Das Wasser der Gräben kühlt noch den Schatten der Arkaden.

Was man sehen sollte

Schwöbber ist ein dreiflügeliges Wasserschloss: Seine Gräften und die hufeisenförmig geöffnete Anlage ergeben eine niedrige, auf dem Wasser ruhende Silhouette, wie sie für den Landadel des Weserberglands kennzeichnend ist. Zu sehen ist vor allem das Detail des Steins: Die Sandsteinfassaden tragen Gesimse, Kreuzstockfenster, Giebel und vor allem einen Treppenturm der Renaissance, dessen geschnitzte Türen ein Glanzstück sind. Man erkennt die Art des Cord Tönnis, des Hamelner Werkmeisters, dem der Bau zugeschrieben wird: ein regionaler Klassizismus, in dem die Strenge der Ordnungen sich mit steinernem Beschlagwerk verbindet.

Die Anlage entstand in mehreren Schritten, und das ist ablesbar: Der Torflügel (1588) und der Nordflügel (1602-1607) ergänzen den Hauptbau der 1570er Jahre. Ringsum verlängern ein Park und ein Lustgarten den Wohnsitz; das Gut beherbergte später eine der reichsten botanischen Sammlungen Europas, die 1715 sogar Zar Peter den Großen anzog. Heute ist das Schloss ein Hotel, doch seine Renaissancestruktur — Flügel, Turm, Gräften — bleibt vollkommen erkennbar.

Geschichte

Die von Münchhausen fassen 1510 in Schwöbber Fuß; 1564 wird das Lehen erblicher Adelssitz. Das Vermögen für den großen Bau stammt von Hilmar von Münchhausen dem Älteren (1512-1573), einem jener Kriegshauptleute, die im 16. Jahrhundert Söldnertruppen für die Fürsten des Reiches und darüber hinaus warben und führten. Nach seinem Tod leitet seine Witwe Lucia von Reden in den 1570er Jahren den Hauptbau; dann fügt sein Sohn Hilmar der Jüngere (1558-1617) 1588 den Torflügel und 1602 bis 1607 den Nordflügel hinzu. Als Werkmeister gilt der in Hameln tätige Cord Tönnis, eine Zentralgestalt der Weserrenaissance.

Das Schloss bleibt von 1510 bis ins frühe 20. Jahrhundert bei den von Münchhausen. Mit der Zeit erhält das Gut einen bemerkenswerten Park und eine Pflanzensammlung, die seinen Ruhm begründet. Nach einer umfassenden Restaurierung zu Beginn der 2000er Jahre wurde Schwöbber ein Schlosshotel: eine neue Nutzung, die die Architektur des 16. Jahrhunderts eher rettete und zur Geltung brachte, als sie zu tilgen.

Symbole und Geheimnisse

Schwöbber erzählt eine Wahrheit der Zeit: Der Krieg bezahlt den Stein. Das auf den Schlachtfeldern der Renaissance verdiente Geld des Hauptmanns Hilmar verwandelt sich in ein Prunkschloss, in dem alles vom wiedergewonnenen Rang einer Familie spricht. Der Treppenturm und seine geschnitzten Türen sind der Höhepunkt dieser Rede: Die Treppe ist in der deutschen Renaissance ein Ort des Prestiges, eine Bühne des Auf- und Sichzeigens. Das aus niederländischen Stichvorlagen stammende Beschlagwerk verweist auf einen gebildeten Adel, vertraut mit den Moden des Nordens.

Warum dieser Ort zählt

Weil Schwöbber Hämelschenburg ergänzt: zwei Wasserschlösser der Weser, wenige Kilometer und wenige Jahre voneinander entfernt von zwei Adelslinien erbaut, die einander an Pracht übertreffen wollen. Zusammen zeichnen sie das Gesicht der residentiellen Weserrenaissance — jenes protestantischen Landadels des Weserberglands, der auf dem Wasser baut, den Sandstein schneidet und die Treppe zum Denkmal macht. Schwöbber zeigt überdies, wie eine heutige Nutzung, die Hotellerie, das Leben eines solchen Baus verlängern kann, ohne seine Form zu verraten.

In der Umgebung

Die nächstgelegenen Renaissance-Orte.

› Die ganze Renaissance in Niedersachsen & Weser: das Land der Weserrenaissance