In Helmstedt gründet Herzog Julius von Braunschweig eine Universität; von 1592 bis 1612 errichtet ihr der Architekt Paul Francke das Juleum, einen Renaissance-Bau, in dem man unter einem mit Allegorien des Wissens beladenen Giebel lehrt. In der kleinen Stadt wetteifert das Haus der Professoren an Pracht mit fürstlichen Schlössern. In den Sandstein gegraben liest man den Ehrgeiz eines Zeitalters, das an die Wissenschaft wie an einen Ruhm glaubt.
Was man sehen sollte
Das Juleum beeindruckt zunächst durch seine Masse: ein Baukörper von 40 Metern Länge und 17 Metern Breite, bekrönt von zwei reich gearbeiteten Zwerchhäusern im reinsten Stil der Weserrenaissance. An der Südseite ragt ein achteckiger Treppenturm von 56 Metern empor, von der ganzen Stadt aus sichtbar und Sinnbild des Anspruchs der Einrichtung.
Das monumentale Portal ist das gelehrte Stück des Baues: Es ist mit Skulpturen der freien Künste (artes liberales) geschmückt, einem ikonografischen Programm, das die Bestimmung des Ortes benennt — die Weitergabe des Wissens. Im Inneren erinnern die Aula (der große Hörsaal) und die Bibliothek an die doppelte Funktion von Lehre und Bewahrung. Die ursprüngliche rote Farbe der Fassade, bei der Restaurierung der 1960er Jahre wiederhergestellt, gibt dem Bau das strahlende Aussehen zurück, das seine Auftraggeber ihm zudachten.
Geschichte
1576 gründet Herzog Julius von Braunschweig-Wolfenbüttel in Helmstedt eine Universität, die Academia Julia, die seinen Namen tragen wird. Rasch wird sie zu einer der großen protestantischen Universitäten des Reiches, Herd der Theologie, des Rechts und der Medizin. Um ihr einen ihres Ranges würdigen Rahmen zu geben, gibt Julius' Sohn, Herzog Heinrich Julius, im Oktober 1592 einen neuen Hauptbau in Auftrag.
Die Bauleitung wird dem herzoglichen Werkmeister Paul Francke anvertraut, und der Bau zieht sich von 1592 bis 1612 hin. Bei seiner Vollendung wird das Gebäude am 15. Oktober 1612 feierlich unter dem Namen Juleum geweiht — zu Ehren des Gründers. Es beherbergt die großen Lehrsäle, den Hörsaal und die Bibliothek. Die Universität Helmstedt strahlt bis zu ihrer Schließung 1810 aus; das Juleum aber bleibt und wurde zwischen 1966 und 1971 umfassend restauriert.
Symbole und Geheimnisse
Das Juleum ist ein Manifest des protestantischen Fürstenhumanismus. Indem der Herzog eine Universität gründet und ihr ein derart prächtiges Gebäude gibt, behauptet er, dass das Wissen eine Staatsangelegenheit ist, ein Mittel des Prestiges und der Macht ebenso wie ein Dienst am reformierten Glauben. Das Portal der freien Künste ist kein bloßer Schmuck: Es ist ein Programm, die Verbildlichung des akademischen Studiengangs, von den sieben Künsten bis zu den höheren Fakultäten. Der achteckige Turm schließlich entlehnt dem Vokabular fürstlicher Residenzen: Die Universität schmückt sich mit den Attributen des Schlosses, als wollte sie sagen, dass auch der Geist herrscht. Hinter diesen Mauern wurden heftige theologische Streitigkeiten ausgetragen, die das Luthertum der Zeit bewegten.
Warum dieser Ort zählt
Weil das Juleum einer der wenigen erhaltenen großen Universitätsbauten der Renaissance in Deutschland ist und der wichtigste Zeuge der Academia Julia, einer geistigen Hochburg des protestantischen Reiches. Als Hauptwerk Paul Franckes zeigt es, wie die Weserrenaissance nicht nur Rathäuser und Kaufmannshäuser, sondern auch die Einrichtungen des Wissens zu kleiden wusste. Sein Turm, sein Portal und seine Aula machen Helmstedt zu einem wesentlichen Markstein der Geschichte der Universitäten und der humanistischen Kultur des 16. Jahrhunderts.

