Der Garten eines gelehrten Fürstbischofs
Ab 1597 ließ Fürstbischof Johann Konrad von Gemmingen auf den Basteien der Willibaldsburg über Eichstätt einen botanischen Renaissancegarten anlegen. Auf acht gestaffelten Terrassen versammelte er Rosen, Lilien, Tulpen und seltene Pflanzen aus der Ferne, im Geist der großen Fürstengärten Italiens und Flanderns.
Von Camerarius zu Besler
Die Leitung lag zunächst beim Nürnberger Arzt und Botaniker Joachim Camerarius dem Jüngeren, nach dessen Tod 1598 beim Apotheker Basilius Besler. 1611 schilderte der Kunsthändler Philipp Hainhofer die prächtigen Beete: Der Garten stand in voller Blüte.
Ein Buch, dauerhafter als der Garten
Gemmingen beauftragte Besler, die Pflanzen des Gartens Jahreszeit für Jahreszeit zu stechen. 1613 erschien der Hortus Eystettensis: 367 Tafeln, nahezu tausend Gewächse, ein Denkmal der botanischen Illustration. Der Fürstbischof starb 1612, der Garten verfiel, der Dreißigjährige Krieg zerstörte ihn. 1998 wurde nach dem Buch ein Bastionsgarten neu angelegt — die einzige lebendige Erinnerung an die verlorene Anlage.
Was man sehen sollte
- Die Willibaldsburg mit ihrer Panoramaterrasse über dem Altmühltal.
- Den rekonstruierten Bastionsgarten (1998) auf der Nordbastei, bepflanzt nach Besler.
- Das in der Festung eingerichtete Jura-Museum.
Schon gewusst?
Der Hortus Eystettensis war eines der ersten großen Bücher, das die Pflanzen in Lebensgröße und nach Jahreszeiten geordnet zeigte, nicht nach ihrem Heilgebrauch. Die handkolorierten Luxusexemplare gehören zu den kostbarsten botanischen Büchern der Welt.
Eckdaten
Botanischer Renaissancegarten, Willibaldsburg, Eichstätt (Bayern). Auftraggeber: Johann Konrad von Gemmingen, ab 1597. Florilegium Hortus Eystettensis von Basilius Besler, 1613. Im Dreißigjährigen Krieg zerstört; Bastionsgarten 1998 neu angelegt.

