Steigen Sie die Ehrentreppe hinauf und legen Sie die Hand auf den Stein: Er kommt vom Himmel. 1618 haut Meister Wolfgang Walberger die Freitreppe des Rathauses aus Suevit — jenem Gestein, das vor fünfzehn Millionen Jahren aus dem Meteoriteneinschlag entstand, der das Rieskrater aushöhlte, in dem Nördlingen steht. Der Renaissanceschmuck pfropft sich elegant auf einen noch gotischen Kern, in einem der ältesten noch genutzten Rathäuser Deutschlands. Wenige Jahre später, 1634, wird die Reichsstadt unter ihren Mauern eine der großen Schlachten des Dreißigjährigen Krieges erleben — doch die Treppe aus himmlischem Stein steht noch.# Rathaus NördlingenIm Zentrum der runden Stadt Nördlingen ist das Rathaus eines der ältesten Deutschlands, das noch in Funktion ist. Sein Kern ist mittelalterlich, doch an seiner Flanke sitzt ein Meisterwerk der Renaissance: eine steinerne Freitreppe, 1618 aus jenem Gestein gehauen, das aus einem kosmischen Einschlag entstand.
Was man sehen sollte
Der Höhepunkt des Denkmals ist die Freitreppe an der Ostseite, ein eleganter steinerner Aufgang, der noch gotische Formen und Renaissance-Ornament glücklich verbindet. Sie ist das Element, das man zuerst betrachten sollte: Sie verwandelt einen funktionalen Zugang in einen Prunkeingang. Der Hauptbaukörper ist ein dreigeschossiger Bau mit Satteldach, dessen Struktur ins 14. Jahrhundert zurückreicht und 1499/1500 erhöht wurde. Betrachten Sie den Stein der Treppe: Es ist Suevit, ein für das Ries charakteristisches Gestein, entstanden durch den Meteoriteneinschlag, der die Region formte. So tritt unter dem Renaissance-Ornament die besondere Geologie des Ortes zutage.
Geschichte
Der Kern des Nördlinger Rathauses ist mittelalterlich; der Bau gehört zu den ältesten Deutschlands, die noch in Verwaltungsnutzung stehen. Über die Jahrhunderte erhält er Verschönerungskampagnen. Die für die Renaissance bedeutendste ist die Freitreppe, 1618 von Wolfgang Walberger aus Suevit errichtet. Nördlingen ist damals eine wohlhabende Reichsstadt am Kreuzungspunkt großer Handelsstraßen. Kurz nach Vollendung der Treppe wird die Stadt 1634 Schauplatz einer der großen Schlachten des Dreißigjährigen Krieges — doch der Bau übersteht die Zeit und bleibt Sitz der Stadtgewalt.
Symbole und Geheimnisse
Dem Zugang zum Rat einen so sorgfältigen Aufgang zu geben, heißt, die alltägliche Geste der Verwaltung zur Zeremonie zu erheben: Die Treppe zu ersteigen bedeutet, die Sphäre der Stadtgewalt zu betreten. Die Verbindung gotischer Formen und Renaissance-Ornaments ist, weit entfernt von einem Ungeschick, Ausdruck des Übergangsmoments und der Achtung vor einem alten Bau, den man modernisiert, ohne ihn auszulöschen. Das poetischste Geheimnis liegt im Material selbst: Suevit, ein vor Jahrmillionen durch einen Meteoriteneinschlag geschmiedeter Stein, macht diese Renaissance-Treppe zu einem einzigartigen Objekt, verwurzelt in der Geologie des Rieses.
Warum dieser Ort zählt
Das Nördlinger Rathaus veranschaulicht, wie sich die Renaissance in Deutschland oft durch Aufpfropfungen und Anbauten an mittelalterliche Bauten einschrieb, statt durch Neubauten. Seine Freitreppe von 1618 ist eines der schönen Beispiele dieser Einfügung, in der das neue Ornament mit dem alten in Zwiesprache tritt. Im Herzen einer der wenigen vollständig von erhaltenen Mauern umgürteten Städte Europas bleibt der Bau ein bedeutendes Wahrzeichen und ein Zeuge der Kontinuität bürgerlicher Macht durch die Jahrhunderte.

