Im Herzen von Roth, in Mittelfranken, ist Schloss Ratibor ein Jagdschloss, das von 1535 bis 1537 der Markgraf Georg der Fromme von Brandenburg-Ansbach errichten ließ. Seine Architektur verbindet den Stil der frühen deutschen Renaissance mit einigen gotischen Nachklängen, und sein Name erinnert an eine ferne Quelle: das schlesische Herzogtum Oppeln-Ratibor, dessen Einkünfte den Bau finanzierten.
Was zu sehen ist
Das Schloss ordnet sich um einen Innenhof mit kleinem Park, eher Lustbau denn Festung. Die Fassaden zeigen den Übergangsmoment der 1530er Jahre: Die neue Ordnung, die Rahmungen und die Regelmäßigkeit der Öffnungen künden die Renaissance an, während manche Steinmetzdetails die Erinnerung an die ausgehende Gotik bewahren. Gerade dieses Nebeneinander macht den dokumentarischen Reiz des Ortes aus — ein Bau, erfasst im Augenblick, in dem das Vokabular des Südens das fürstliche Franken erreicht. Heute beherbergt das Schloss die Stadtbücherei, das Stadtmuseum und das Archiv; der Hof dient im Sommer Theateraufführungen, renovierte Räume den bürgerlichen Feiern. Die Restaurierungskampagnen der 2000er Jahre gaben Fassaden und Innenräumen ihre Lesbarkeit zurück.
Geschichte
Georg der Fromme, einer der ersten Reichsfürsten, die sich der Reformation anschlossen, verwaltete von 1532 bis 1551 das an Brandenburg-Ansbach verpfändete schlesische Herzogtum Oppeln-Ratibor; die Einkünfte dieses fernen Gebiets bezahlten das Rother Jagdschloss, das seinen Namen annahm. Das Schloss diente dem margräflichen Hof als Jagdsitz, ein üblicher Gebrauch eines Adels, der seine Nebenresidenzen nach seinen Jagdgründen vermehrte. 1791 erwarb der Industrielle Johann Philipp Stieber es für eine Textilfabrik, und seine Nachfahren gestalteten Ende des 19. Jahrhunderts einige Säle neu. 1942 der Stadt Roth geschenkt, wurde es zu einer öffentlichen Kultureinrichtung. Ratibor gilt für den Atlas als frühes, datiertes Beispiel der fränkischen Fürstenrenaissance und als konkrete Erinnerung an die territorialen Netze eines Markgrafen, dessen Macht bis nach Schlesien reichte.

