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Renaissance in Deutschland

Ebernburg

Bad Münster am Stein-Ebernburg

Ebernburg

Hoch über der Nahe war die Ebernburg der Sitz des Ritters Franz von Sickingen (1481-1523), einer Hauptfigur des Ritteraufstands und Stütze der frühen Reformatoren. Nicht der Bau, sondern der Ort ist hier das Thema: nicht wegen erhaltener Architektur, sondern weil diese Mauern an der Schwelle der Reformation einer der ersten Zufluchtsorte des neuen Evangeliums im Reich waren.

Geschichte

Anfang der 1520er Jahre gewährte Sickingen — ein vermögender, gefürchteter Heerführer an der Spitze einer Reichsritterschaft, die gegen die Territorialfürsten Gewicht suchte — vertriebenen Vertretern der Reformation Zuflucht: Martin Bucer, Johannes Oekolampad, Johann Schwebel, Caspar Aquila, Kaspar Hedio. Die kleine Feste wurde so zu einem Herd, an dem die neuen Ideen gepredigt, übersetzt und erörtert wurden, geschützt vom Schwert eines Ritters. Sein Freund, der Humanist Ulrich von Hutten (1488-1523), nannte die Burg „Herberge der Gerechtigkeit“ — in einer Schrift gegen die Bannandrohungsbulle Exsurge Domine Leos X. gegen Luther. Auch Luther bot Sickingen auf dem Weg zum Wormser Reichstag (1521) Asyl an; Luther lehnte ab. Die Episode währte kurz: Sickingens Krieg gegen den Erzbischof von Trier scheiterte, und der Ritter starb 1523 bei der Belagerung seiner Burg Landstuhl — mit ihm das politische Streben der Ritterschaft.

Was zu sehen ist

Der Ort bewahrt die Erinnerung an diese Episode mehr, als er ihre ursprünglichen Steine zeigt. Das Hutten-Sickingen-Denkmal der Bildhauer Robert und Ludwig Cauer (1886-1889) steht unterhalb: Es gehört dem nationalen 19. Jahrhundert an, das aus beiden Männern deutsche Helden machte, und ist hier nur zur Einordnung genannt. Was von der befestigten Höhe bleibt, zählt vor allem als Aussicht über das Nahetal und als Träger einer Erinnerung — an einen Augenblick, in dem eine Privatburg den etablierten Mächten einige Jahre lang trotzen konnte. Die Ebernburg steht damit weniger für ein Bauwerk als für eine Idee: den kurzen Traum einer Ritterschaft, die mit Humanismus und Reformation die alte Ordnung herausforderte, ehe sie unterlag.

contes_legendes (FR) : Le surnom « auberge de la justice » est resté attaché à l'Ebernburg : il dit l'idée, portée par Hutten, d'un refuge où l'on pouvait penser et croire librement sous la protection de l'épée d'un chevalier.

contes_legendes (DE) : Der Beiname „Herberge der Gerechtigkeit“ blieb an der Ebernburg haften — er steht für Huttens Vorstellung eines Zufluchtsorts freien Denkens und Glaubens unter dem Schutz des Ritterschwerts.

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