Die Sage will, dass Till Eulenspiegel hier gedient habe; der mächtige romanische Bergfried mitten im Hof trägt seinen Namen, der Eulenspiegelturm. Denken Sie sich den Narren, wie er seine siebenunddreißig Meter emporsteigt, zwischen über drei Meter dicken Mauern, um mit einem Blick den Sandsteinfelsen und die unten sich windende Saale zu beherrschen. Doch hinter dem Schwank beherbergt Bernburg einen höchst ernsten Fürsten: Wolfgang von Anhalt, einen der Ersten, die das Augsburger Bekenntnis unterzeichneten, des Reiches verwiesen um seines Glaubens willen. Am neuen Flügel sagen die Reliefs der protestantischen Fürsten, dass in Glaubensdingen nicht zu scherzen war.# Schloss BernburgAuf einem Sandsteinfelsen über der Saale schichtet Schloss Bernburg — die „Krone Anhalts" — alle Zeitalter übereinander: einen gedrungenen romanischen Bergfried mitten im Hof, einen hellen Renaissanceflügel, in Stein gehauene Fürstenreliefs. Es ist die Residenz eines kleinen Fürstenhauses, das früh seine Stellung für die Reformation aufs Spiel setzte.
Was man sehen sollte
In der Mitte des Hofes wacht der Eulenspiegelturm, ein mächtiger romanischer Bergfried von siebenunddreißig Metern, mit über drei Meter dicken Mauern: die Vergangenheit mitten ins Heute gepflanzt, ein Kern, den man nicht zerstören wollte. Um ihn herum ist der Palast Renaissance geworden. Bewundern Sie das Krumme Haus, jenen Flügel, der dem Verlauf des Felsens folgt, und das Langhaus — auch Wolfgangbau genannt — mit seinen Giebeln, geordneten Fenstern und vor allem seinen Reliefs protestantischer Fürsten, die wie eine Ahnengalerie des neuen Glaubens über die Fassade laufen.
Suchen Sie das skulptierte Portal, den Prunkeingang, an dem sich das italienische Vokabular — Pilaster, Ranken — dem heimischen Sandstein anpasst. Und vergessen Sie weder den gotischen Blauen Turm noch die kleine Pankratiuskapelle romanischen Ursprungs. Alles liest sich hier als Schichtung: Man steigt in der Zeit auf, indem man im Schloss aufsteigt.
Geschichte
Bernburg gehört seit dem Mittelalter dem Haus Anhalt. Im 16. Jahrhundert macht Fürst Wolfgang (1492-1566) daraus eine wahre Renaissance-Residenz. Er beruft Andreas Günther, einen aus Böhmen stammenden Werkmeister, der dem Erzbischof am Hallenser Bau gedient hatte: Von 1538 bis 1570 entsteht der neue Wohnbau. Von 1567 bis 1570 fügt Nickel Hoffmann das Langhaus hinzu. Das Ergebnis stellt Bernburg zu den großen Renaissanceschlössern Mitteldeutschlands, neben die Albrechtsburg in Meißen und das Schloss Merseburg.
Doch Wolfgang ist nicht nur Bauherr. Er ist einer der ersten Reichsfürsten, die sich hinter Luther stellen: Er unterzeichnet 1530 die Augsburger Konfession, tritt dem Schmalkaldischen Bund bei und bezahlt es teuer. Nach der Niederlage der Protestanten bei Mühlberg (1547) wird er in die Reichsacht getan und sein Land besetzt, ehe er seinen Rang zurückgewinnt. Die Fürstenreliefs am Schloss sind also kein beliebiger Schmuck: Sie bekunden eine Treue, die beinahe alles gekostet hätte.
Anhalt, zwischen mehrere Zweige zersplittert — Köthen, Bernburg, Dessau, Zerbst —, wog durch Größe wenig; doch seine Fürsten glichen es durch Überzeugung aus. Indem er Bernburg im neuen Geschmack wiederaufbaute, behauptete Wolfgang, dass auch ein kleiner Staat sich das Äußere eines modernen Hofes geben konnte. Der rote Saale-Sandstein, zu Portalen, Giebeln und Reliefs gehauen, diente diesem Programm: im Stein des Landes zu zeigen, dass man zugleich alt und aktuell war, der Linie treu und dem Jahrhundert gewonnen. Nach den Prüfungen von 1547 und der Aufhebung der Acht richtete sich das Haus Anhalt wieder auf und bewahrte sein Schloss als ein stehendes Manifest, an dem jede Generation ihren Stein hinzufügte, ohne die früheren zu verleugnen. So liest sich Bernburg wie eine Chronik in Mauerwerk: romanischer Bergfried, gotischer Turm, Renaissanceflügel — die ganze Dauer eines kleinen, zähen Fürstenhauses.
Symbole und Geheimnisse
Den alten romanischen Bergfried mitten in einem neuen Palast zu bewahren, ist die Geste der fürstlichen Renaissance selbst: Man verleugnet sein Alter nicht, man stellt es aus. Die Abstammung ist so kostbar wie die Modernität. Die Reliefs der protestantischen Fürsten wiederum verwandeln eine Fassade in ein Glaubensbekenntnis — in einem Reich, in dem die Wahl des Bekenntnisses die Krone oder die Acht kosten konnte. Und der an den Bergfried geknüpfte Name Eulenspiegels mischt der großen Geschichte das Salz einer Volkssage bei: der Narr, der hier gedient haben soll.
Warum dieser Ort zählt
Weil er zeigt, wie sich ein kleines Fürstenhaus durch Stein und Glauben zu den Akteuren der Reformation emporhebt. Bernburg hat nicht die Größe Dresdens, aber dessen Ehrgeiz: ein Schloss, in dem neue Architektur und religiöses Bekenntnis einander antworten, Fels gegen Fluss, Bergfried gegen Loggia.

