Für den Ratsherrn, der um 1570 diese Schwelle überschreitet, ist das neue Rathaus eine Vergeltung an der Asche. Schweinfurt, Reichsstadt, ist eben im Zweiten Markgrafenkrieg 1554 zerstört worden; einen so reich geschmückten Bau zu errichten, heißt zu zeigen, dass man steht. Der Baumeister Nickel Hofmann aus Halle, Meister des Übergangs von der Gotik zur Renaissance, errichtet einen großen Gewölbesaal, eine Treppe mit gehauenen Säulen, einen Balkon mit fünf Wappen von Heinrich Söllers Hand. Ironie der Geschichte: Dieser Bau wird die Bomben von 1945 fast unversehrt überstehen, als ringsum alles brannte — zweimal den Kriegen seines Landes entkommen.# Altes Rathaus SchweinfurtAm Markt erhebt das Alte Rathaus von Schweinfurt seine Voltengiebel mit der Sicherheit eines Meisterwerks. Nach dem Brand errichtet, der die Stadt 1554 verheerte, verkündet es in der neuen Sprache der Renaissance die Wiedergeburt einer freien Reichsstadt.
Was man sehen sollte
Der Bau ist einer der bedeutendsten der Renaissance Süddeutschlands. Betrachten Sie zuerst die gestaffelten Voltengiebel (Staffelvoltengiebel), die Signatur des Stils. Die Fassade spielt mit Symmetrien und Ordnungen, mit einem Balkon, den fünf Wappen zieren, und mit Skulpturen Heinrich Söllers. Im Inneren eröffnet ein großer Gewölbesaal — die einstige Markthalle — den Weg, gefolgt von der Ratsstube und einer Treppe mit reich geschnitzten Säulen. Ein flämischer Wandteppich des 17. Jahrhunderts und ein historischer Keller runden das Ensemble ab. Nehmen Sie sich Zeit für die Geschlossenheit des Programms: Fassade, Säle und Treppe bilden ein Ganzes, gedacht als Demonstration von Könnerschaft.
Geschichte
Das Rathaus wird von 1570 bis 1572 von Nickel Hofmann, auch Nikolaus Hofmann genannt, errichtet, einem der bedeutendsten Baumeister des mitteldeutschen Raums zwischen Spätgotik und Renaissance, der aus Halle an der Saale stammt. Bauherr ist die Reichsstadt Schweinfurt. Der Zusammenhang ist vielsagend: Die Stadt war im Zweiten Markgrafenkrieg 1554 zerstört worden, und der Bau verkörpert ihren Wiederaufstieg. Als Meisterwerk der deutschen Profanrenaissance gilt er; er überstand den Zweiten Weltkrieg fast unversehrt, während die Nachbarbauten brannten; ein Dachbrand im April 1959 wurde gelöscht, bevor er schweren Schaden anrichtete.
Symbole und Geheimnisse
Für eine freie Reichsstadt ist das Rathaus kein bloßer Verwaltungsbau: Es ist das Gesicht ihrer Souveränität. In Schweinfurt bekundet die Wahl eines so ehrgeizigen, einem berühmten Meister anvertrauten Baus nach völliger Zerstörung den Willen der Stadt, stärker und ganz modern wiederzuerstehen. Die Wappen des Balkons verkünden Identität und Bündnisse der Stadt. Die aus dem Renaissance-Vokabular übernommenen Voltengiebel künden vom Bekenntnis zu einer neuen, europäischen Sprache, fern dem gotischen Erbe, das der Bau überwindet.
Warum dieser Ort zählt
Das Alte Rathaus Schweinfurt ist einer der Hauptzeugen der Profanrenaissance in Franken und eines der Referenzwerke Nickel Hofmanns, dessen Hand sich andernorts in der Region wiederfindet. Sein außergewöhnlicher Erhaltungszustand macht es zu einem erstrangigen Dokument dafür, wie eine freie Stadt nach einem Krieg ihre Macht und ihren Wiederaufstieg zur Schau stellte. Fassade, Säle und Ausstattung bilden hier ein seltenes Ensemble, in dem die öffentliche Architektur der Renaissance eine Fülle der Form erreicht.

