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Renaissance in Deutschland

Neubaukirche und Alte Universität

Würzburg

Neubaukirche und Alte Universität

1591 durchschreitet ein junger Mann zum ersten Mal das wappengeschmückte Portal der neuen Würzburger Universität. Um einen nahezu quadratischen Hof umfangen drei Lehrflügel eine Kirche, deren Turm, der höchste der Stadt, mit fast achtzig Metern den Himmel durchstößt. Hier hat Fürstbischof Julius Echter in einem Zug einen Ort des Wissens und eine Waffe der Gegenreformation errichtet.

Was man sehen sollte

Betrachten Sie zuerst das Ensemble, nicht nur das Heiligtum. Die Alte Universität gliedert sich in drei Renaissance-Flügel um einen nahezu quadratischen Hof, die Kirche schließt die vierte Seite: eine Architektur, als Ganzes gedacht, in der man lehrt und betet unter derselben Ordnung. Zur Straße hin strebt der Fassadenturm der Neubaukirche 79,57 Meter empor, der höchste Würzburgs: ein sofortiger Orientierungspunkt im Stadtbild. Im Inneren ist der Bau eine dreischiffige Basilika mit Seitenschiffen in gestaffelten Emporen, eine seltene Lösung, die dem Raum seine abgestufte Vertikale gibt. Das Innere dient heute als Aula, der große Festsaal der Universität: Man sieht die Konzertorgel und spürt in den Proportionen die doppelte Natur des Ortes — Kirche von einst, Festsaal von heute. Suchen Sie auch an Hof und Portalen die Wappen und die gemeißelten Rahmungen, die Echters Auftrag bezeugen. Umschreiten Sie ruhig das Geviert: Vom Hof aus begreift man besser, wie Lehrflügel und Heiligtum aus einem Guss entworfen wurden, nach einem einzigen Maß, und wie der Turm das Ganze beherrscht, ohne es zu erdrücken. Diese nördlich der Alpen seltene Einheit macht den Wert des Ortes aus, weit mehr als dieses oder jenes Einzeldetail.

Geschichte

1582 gründet Fürstbischof Julius Echter von Mespelbrunn die Würzburger Universität neu, deren Ursprünge bis ins frühe 15. Jahrhundert zurückreichten. Sogleich gibt er ihr einen baulichen Körper: Ab 1583 leitet der aus Flandern stammende Architekt Georg Robin den Bau der Universitätskirche, die am 8. September 1591 geweiht wird. Der Bau vereint mehrere Sprachen: Elemente der Spätgotik — jene Vorliebe Echters für Gewölbe und mittelalterliche Formen, eingebunden in einen entschieden der Renaissance verpflichteten Auftrag, mitunter als „Echter-Gotik" bezeichnet — verbinden sich mit dem neuen Vokabular der Arkaden und der regelmäßigen Ordnung. In der Folge erleidet das Ensemble im 17. Jahrhundert Schäden, dann eine Instandsetzung um 1700 durch Antonio Petrini und Joseph Greissing, die sich besonders an der Turmbekrönung zeigt. Am 16. März 1945 zerstören die Bombardements den Bau schwer. Von 1970 bis 1985 wird das Schiff wiederaufgebaut und zur Aula umgestaltet; es erhält 1986 eine Konzertorgel und 2005 ein Carillon aus 51 Glocken, das erste dieser Art an einer deutschen Universität.

Symbole und Geheimnisse

Die Neubaukirche ist eine Programmkirche. Indem Echter seine Universität gründet und ihr ein monumentales Heiligtum gibt, macht er den Stein zum Werkzeug der Gegenreformation: Es geht darum, einen gelehrten Klerus auszubilden, die Geister zurückzugewinnen und den Katholizismus in Franken gegen das benachbarte Protestantentum zu verankern. Die gewollte Verbindung von Gotik und Renaissance ist keine Ungeschicklichkeit, sondern eine Signatur: Sie behauptet Kontinuität, schreibt das Neue in die Tradition der Kirche ein und verleiht Echters Stiftungen ihr unverwechselbares Gepräge. Der höchste Turm der Stadt wiederum kündet vom Ehrgeiz eines Fürsten, der den Himmel Würzburgs zeichnen will.

Warum dieser Ort zählt

Das Ensemble aus Alter Universität und Neubaukirche gehört zu den bedeutendsten Renaissance-Werken nördlich der Alpen. Es veranschaulicht einen entscheidenden Moment: jenen, in dem ein Kirchenfürst in einem Zug ein Werkzeug des Wissens und ein Heiligtum entwirft und in dem der Renaissance-Stil ausdrücklich einer Religionspolitik dient. Auch nach 1945 tiefgreifend restauriert, bewahrt der Bau seine Silhouette, seinen Turm und seine Funktion als zeremonielles Herz der Universität. Er bleibt der Schlüssel, um die Prägung Julius Echters auf Würzburg zu verstehen — eines bauenden Fürsten, dessen Stiftungen die Stadt neu gezeichnet haben.

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