Am Marktplatz von Kitzingen, in Unterfranken, wurde das Rathaus von 1561 bis 1563 vom Meister Eckhart von Schaffhausen im Renaissancestil erbaut. Dieser dreigeschossige Bau mit großen geschweiften Giebeln und breiten Fenstern zählt zu den bedeutendsten Profanbauten seiner Zeit in Mainfranken.
Was zu sehen ist
Der Bau beherrscht den Platz mit seiner Giebelfront und dem steilen, schiefergedeckten Satteldach. An seinen beiden Schmalseiten entfalten sich mächtige geschweifte Giebel, jeder mit sechs halben Rundelementen und einem ganzen an der Spitze — ein für die deutsche Renaissance kennzeichnendes Voluten-Motiv. Die großen Fenster auf allen Seiten, ein weiterer Zug des Stils, durchfluten die Ratssäle mit Licht und zeigen die neue Klarheit der Zivilarchitektur. Das seit seiner Errichtung in seiner Funktion gebliebene Ganze bietet ein besonders geschlossenes Bild des fränkischen Renaissance-Rathauses: ein klarer, geordneter Block, bei dem sich das Ornament an den Giebeln sammelt und die Regelmäßigkeit der Öffnungen den Stolz eines Bürgertums behauptet, das endlich Herr seines Gemeindehauses ist.
Geschichte
Die Geschichte des Baus beruht auf einer Emanzipation: Lange dem Benediktinerinnenkloster unterstellt, das Kitzingen beherrschte, durften die Bürger kein eigenes Rathaus errichten. Erst mit dem Niedergang des Klosters in der Reformationszeit und dem gleichzeitigen Erstarken des Bürgertums zu Beginn der Neuzeit waren die Voraussetzungen für einen solchen Bau gegeben. Das Rathaus von 1561-1563 ist daher mehr als ein bloßer Verwaltungsbau: das gebaute Sinnbild einer errungenen bürgerlichen Freiheit. Einem aus Schaffhausen gekommenen Meister anvertraut, stellt es Kitzingen in das Netz des Austauschs von Baukünstlern im deutschen Raum. Für den Atlas gilt das Rathaus Kitzingen als eines der gelungensten Beispiele des Renaissance-Rathauses in Unterfranken und als Zeugnis der politischen Behauptung der städtischen Welt im Jahrhundert der Reformation.

