Im Magdeburger Dom ruht unter einem bronzenen Gisant der Erzbischof Ernst von Sachsen. 1495 in Nürnberg von Peter Vischer dem Älteren gegossen, ist dieses Grabmal das bedeutende Frühwerk des größten deutschen Gießers — ein Monument, in dem der gotische Baldachin bereits den Atem der Renaissance birgt.
Was man sehen sollte
Das Grabmal erhebt sich wie ein metallenes Prunkbett. Auf einem reich verzierten Bronzesockel — über drei Meter lang — ruht der Gisant des Erzbischofs, bekleidet mit seinem bischöflichen Ornat: Mitra, Krummstab, kunstvolle Chorkappe. Sein friedliches Gesicht scheint zu schlafen, geschützt von einem Baldachin mit geschweifter Bekrönung.
Gehen Sie um die Basis herum: Um den Verstorbenen reihen sich die Apostel unter noch gotischen Baldachinnischen, getrennt durch Wappenschilde. Am Fuß suchen Sie die Inschrift: Der Gießer hat dort seinen Namen und das Datum eingetragen, eine noch seltene Sache. Die präzise, lebendige Bronzearbeit verrät schon die Hand, die später das Sebaldusgrab gießen wird.
Geschichte
Ernst von Sachsen (1464-1513), Sohn des Kurfürsten Ernst aus dem Haus Wettin, wurde sehr jung auf den Erzbischofsstuhl von Magdeburg erhoben, einen der mächtigsten des Reiches. 1494 ließ er die Marienkapelle des Doms errichten; im folgenden Jahr, mit nur 31 Jahren, bestellte er sein eigenes bronzenes Grabmal — obwohl er noch achtzehn Jahre leben sollte. Er wandte sich an die Werkstatt Peter Vischers des Älteren in Nürnberg, schon berühmt für die Güte ihrer Güsse. Das Monument wurde 1495 vollendet und signiert, dann in der eben erbauten Kapelle des Erzbischofs aufgestellt.
Symbole und Geheimnisse
Die Wahl der Bronze, seltenes und kostspieliges Material, ist nicht neutral: Sie verkündet den Rang eines Kirchenfürsten aus dem Haus Sachsen. Die den Gisant umgebenden Apostel geleiten ihn zum Heil und stellen ihn unter den Schutz der ersten Zeugen Christi. Und das sprechendste Detail ist am Fuß verborgen: die Inschrift, in der sich Peter Vischer selbst nennt, „Rotschmied", stolz, das Werk vollbracht zu haben. Am Anbruch der deutschen Renaissance beginnt der Handwerker zu signieren — die Geste eines neuen Stolzes, des Stolzes des Künstlers.
Warum dieses Werk zählt
Weil es der große Ausgangspunkt der Vischer-Werkstatt ist, die die deutsche Bronzebildhauerei zwei Generationen lang beherrschen wird. Auf diesem Grabmal steht das gotische Vokabular der Baldachine neben einer neuen Beherrschung des Metalls und des Bildnisses: Man erfasst den genauen Augenblick, in dem Deutschland zur Renaissance übergeht. Es ist zugleich, für Sachsen-Anhalt, eines der ältesten erhaltenen Grabmeisterwerke der Zeit.

