HitsMap

Renaissance-Skulptur

Antoniusaltar

Antoniusaltar

Benedikt Dreyer (sculpture) et Hans von Köln (volets peints) — vers 1520–1522, St. Annen-Museum, Lübeck ; provenant de l'église du Burgkloster de Lübeck.

Kontext

1520 gab die Lübecker Antonius-Bruderschaft einen neuen Altar in Auftrag, der binnen zweier Jahre vollendet wurde. Er verbindet zwei Gewerke: die Schnitzkunst des Lübeckers Benedikt Dreyer und die gemalten Flügel Hans von Kölns in der Art altniederländischer Meister. Ursprünglich stand das Werk in der Kirche des Burgklosters, des Dominikanerklosters St. Marien-Magdalenen der Stadt. Seit 1848 gehört es zum St. Annen-Museum und ist dort heute ausgestellt. Nach Datierung und Machart gehört der Altar noch der Spätgotik an, im Übergang zur Renaissance: Er bietet einen wertvollen Anhalt, um im Lübeck des frühen 16. Jahrhunderts die Arbeit der Bildschnitzer mit der der Maler zu verknüpfen. Das Museum birgt die größte Flügelaltar-Sammlung Deutschlands, zu deren Stücken dieser Altar zählt.

Bedeutung

Das hohe, schmale Format lenkt den Blick auf die monumentale Gestalt des Eremiten Antonius, des Patrons der Bruderschaft. Um ihn entfalten der geschnitzte Schrein und die gemalten Flügel das Andachtsprogramm. Die Verbindung von Dreyers Schnitzwerk und Hans von Kölns Malerei zeigt die Arbeitsteilung einer großen hansischen Werkstatt, in der Bildschnitzer und Maler aufeinander antworten.

Bemerkenswerte Elemente

Die von Dreyer sorgfältig geschnitzte Antonius-Figur beherrscht die Komposition; sie wird von der ungewöhnlichen Vertikalität des Schreins getragen. Die von Hans von Köln gemalten Flügel zeigen die Feinheit und die detailreichen Gründe der niederländischen Tradition. Der Gegensatz zwischen dem Relief des Holzes und der gemalten Fläche belebt das Ganze.

Symbolik

Antonius der Große, Vater des Mönchtums und Vorbild im Widerstand gegen Versuchungen, verkörpert das geistliche Ideal der nach ihm benannten Bruderschaft. Seine beherrschende Gestalt in einem schmalen Altar übersetzt seinen Vorrang ins Bild: Alles strebt auf den Eremiten zu, den Bezugspunkt des Glaubens der Brüder.

Geheimnisse

Der Altar hat den Ort gewechselt: Für die Kirche des Dominikaner-Burgklosters geschaffen, kam er 1848 in Museumsbesitz, lange nach der Reformation, die Lübecks religiöse Landschaft verwandelte. Die Lebensdaten Benedikt Dreyers bleiben unscharf — geboren vor 1495, gestorben nach 1555 nach den Quellen —, ein Zeichen der Überlieferungslücken zu diesem Lübecker Künstler.

Emotionen

Die Schmalheit des Altars erzeugt eine aufsteigende Spannung: Das Auge wird nach oben gezogen, zum Gesicht des Eremiten. Zwischen geschnitztem Holz und gemalten Tafeln wechselt man von einer tastbaren, dunklen Präsenz zu lichten, genauen Flächen — ein Gegensatz, der abwechselnd fesselt und beruhigt.

Führung

Richten Sie den Blick auf die große Mittelfigur: Es ist der heilige Antonius, von Benedikt Dreyer geschnitzt. Beachten Sie, wie schmal und hoch der Altar ist — alles lenkt Ihren Blick zum Eremiten hinauf. Wenden Sie sich dann den von Hans von Köln gemalten Flügeln zu und betrachten Sie die aus den Niederlanden überkommene Feinheit. Behalten Sie im Sinn, dass dieses Werk nicht aus diesem Museum stammt, sondern aus der Kirche des Lübecker Burgklosters.

Anekdote

Das St. Annen-Museum bewahrt rund dreißig Flügelaltäre, die bedeutendste Sammlung dieser Art in Deutschland; so steht der Antoniusaltar inmitten eines einzigartigen Ensembles mittelalterlicher Lübecker Frömmigkeit.

Siehe auch