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Renaissance-Skulptur

Portale und Bauskulptur von Schloss Hämelschenburg

Portale und Bauskulptur von Schloss Hämelschenburg

In Emmerthal ist Schloss Hämelschenburg die Ikone der Weserrenaissance schlechthin, ein nahezu unverändert erhaltenes Ensemble. Von 1588 bis 1613 für Jürgen Klencke und Anna von Holle erbaut, trägt es eine architektonische Bauskulptur — wappengeschmückte Portale, Zwerchgiebel, Treppentürme —, die in Weser-Sandstein das ganze Vokabular des Stils zusammenfasst.

Was man sehen sollte

Das Dekor liest sich zuerst am Portal des Westturms, wo die teilweise vergoldeten Wappen Jürgen Klenckes und Anna von Holles prangen: Die Heraldik des Bauherrenpaares beherrscht den Eingang. Die Silhouette des Schlosses wird sodann von vier großen reichen Giebeln und nicht weniger als siebzehn Zwerchgiebeln gegliedert, die die geschnitzten Bekrönungen auf den Dächern vervielfachen. Zwei achteckige Treppentürme in italienisch-renaissancehafter Form, mit Kupfer gedeckt, akzentuieren die Ecken. Der Weser-Sandstein, in seinen beiden Tönen verwendet — rechts gelb und weich, links rot und härter —, gibt dem Dekor sein kennzeichnendes Materialspiel. Dieses Ganze ist als totale Architekturskulptur zu betrachten, in der Portale, Rahmungen, Bossensteine und Giebel ein geschlossenes Ganzes bilden; die Forschung bindet diese Formen an die großen Hamelner Meister, Cord Tönnis für den Nordflügel und Johann Hundertossen für den Südflügel (umstrittene Zuschreibungen), im Umkreis Eberhard Wilkenings.

Geschichte

Das Gut Hämelschenburg gehörte der Familie Klencke, deren Jürgen Klencke (1551-1609) 1588 den Bau des Schlosses begann, der bis um 1613 fortgeführt wurde. Seine Frau, Anna von Holle, war die Nichte des Lübecker Bischofs Eberhard von Holle: Die am Portal eingeschriebene Allianz dieser beiden Häuser sagt den Rang des Paares. Mit der Marienkirche, den Gärten und der Mühle bildet das Schloss eines der vollständigsten Renaissanceensembles Deutschlands, seit mehr als vier Jahrhunderten in derselben Familie — ein seltener Umstand, der seine außergewöhnliche Unversehrtheit erklärt. Die Sorgfalt der Bauskulptur — Wappen, Giebel, Türme — spiegelt den Ehrgeiz eines Geschlechts, das in einer Generation eine Manifestresidenz des Talstils wollte. Das Ensemble überstand Jahrhunderte und Kriege ohne größere Veränderung, was es heute zum Bezugspunkt für das Studium der Weserrenaissance macht.

Symbole und Geheimnisse

Das Dekor von Hämelschenburg ist eine Erklärung. Die vergoldeten Wappen des Westportals verkünden die Allianz Klencke–von Holle und, durch sie, die Verankerung des Geschlechts im hohen regionalen und kirchlichen Adel. Die beherrschte Fülle der Giebel und Türme zeigt einen Reichtum, der nicht lastet: Er steigt mit fast heiterer Eleganz zum Himmel. Das sinnfälligste Geheimnis ist das der Materie: Der zweifarbige Sandstein, gelb auf der einen, rot auf der anderen Seite, belebt jede Fassade mit einem feinen Kontrast, Werkstattentscheidung ebenso wie ästhetischer Einfall. Die Zuschreibungen wiederum bleiben offen: Die Forschung schwankt je nach Flügel zwischen Cord Tönnis und Johann Hundertossen, ein Beweis, dass selbst der Sinnbildbau des Stils seine Schattenzonen behält.

Warum dieses Werk zählt

Die Portale und die Bauskulptur von Hämelschenburg zeigen den Höhepunkt der Architekturskulptur der Weserrenaissance: keine isolierten Statuen, sondern ein vollständiges Ornamentprogramm in zweifarbigem Sandstein, in dem die Heraldik der Klencke und die Fülle der Giebel das Schloss zum Sinnbildbau des Stils machen. Hier findet die Weserrenaissance ihre vollendetste Form, ein Vorbild, auf das sich alle anderen Bauwerke des Gebiets beziehen — von Schwöbber bis zum Hamelner Hochzeitshaus. Für den Atlas ist Hämelschenburg kein Beispiel unter anderen: Es ist der Bezugspunkt, von dem aus sich alles Übrige bemisst.

Siehe auch