HitsMap

Renaissance-Skulptur

Renaissance-Wandepitaphien von St. Arnual

Ateliers divers (à préciser monument par monument) — Saarbrücken, Seconde moitié du XVIe siècle (Épitaphes murales en grès, figures de niche polychromes presque grandeur nature).

Kontext

Die Stiftskirche St. Arnual zu Saarbrücken, ein ab 1315 errichteter gotischer Bau und einer der bedeutendsten Zeugen des Einflusses der französischen Gotik im deutschen Südwesten, diente den Grafen von Nassau-Saarbrücken als Grablege. Dort lassen sich mehrere Grabschichten unterscheiden, die man nicht verwechseln darf. Das älteste Grafengrab, jenes der Elisabeth von Lothringen (um 1456), gehört noch dem ausgehenden Mittelalter an. Am anderen Ende stehen Denkmäler des 17. Jahrhunderts — etwa das Grabmal des Moritz von Nassau-Saarbrücken (1618) — einer späteren Zeit zugehörig. Dazwischen hinterließ die zweite Hälfte des 16. Jahrhunderts ein Ensemble von Renaissance-Wandepitaphien, zu deren Restaurierung die Deutsche Stiftung Denkmalschutz Anfang der 1990er Jahre (Kampagnen 1993–1994) beitrug. Dieser Sammeleintrag beschreibt daher kein Einzelstück, sondern diese Gruppe von Wanddenkmälern im Renaissancestil.

Bedeutung

Diese Wandepitaphien bewahren das Gedächtnis des Hauses Nassau-Saarbrücken im Zeitalter der Renaissance und der Reformation. Man begegnet dort unter anderem dem gemeinsamen Denkmal des Grafen Johann IV. (gestorben 1574) und Philipps III. (gestorben 1602) mit ihren Gemahlinnen oder dem Denkmal der Anna Maria von Hessen-Kassel, auf dem ihre Kinder erscheinen. Sie bezeugen die Beständigkeit eines Fürstenhauses, das seine Abstammung in den Stein seiner Kirche einzuschreiben suchte.

Bemerkenswerte Elemente

Das Kennzeichen des Ensembles sind farbig gefasste Nischenfiguren, in lebhaften Farben bemalt und nahezu lebensgroß — was sie deutlich von den älteren gotischen Liegefiguren unterscheidet. Aus Sandstein gehauen und mit Polychromie gehöht, verleihen sie den Verstorbenen eine eindrucksvolle Gegenwart, stehend oder kniend in der vorgetäuschten Architektur ihrer Rahmungen.

Symbolik

Der Übergang von der liegenden Grabfigur zur aufrechten Gestalt in ihrer Nische spiegelt eine neue Auffassung des Gedächtnisses: Der Verstorbene wird nicht mehr nur der ewigen Ruhe übergeben, er stellt sich, lebendig und geschmückt, den kommenden Generationen vor. Wappen und Inschriften behaupten Rang und Glauben einer zur Reformation übergetretenen Dynastie.

Geheimnisse

Die Schwierigkeit dieses Eintrags liegt gerade in der Schichtung der Grabmäler: Denkmal für Denkmal gilt es, die gotischen Liegefiguren, die Renaissance-Epitaphien und die Zusätze des 17. Jahrhunderts zu entwirren und von Fall zu Fall die Werkstätten und Daten zu bestimmen, die in der gängigen Literatur noch unvollständig gesichert sind.

Analyse der Emotionen

Die farbig gefassten, nahezu lebensgroßen Figuren erzeugen einen ergreifenden Eindruck von Gegenwart: Man steht einer Versammlung von Verstorbenen gegenüber, die dem Blick standzuhalten scheinen. Die bei der Restaurierung wiedergewonnene Farbe macht diese Begegnung noch eindringlicher.

Führungstext

Gehen Sie die Wände der Stiftskirche ab und lernen Sie, die Grabmalgenerationen zu unterscheiden. Suchen Sie zuerst die stehenden oder knienden, farbig bemalten, nahezu lebensgroßen Figuren: Es sind die Renaissance-Epitaphien der Grafen von Nassau-Saarbrücken aus dem 16. Jahrhundert. Verwechseln Sie sie nicht mit den älteren gotischen Liegefiguren noch mit den Denkmälern des 17. Jahrhunderts, denen Sie ebenfalls begegnen. Betrachten Sie die Wappen: Sie helfen Ihnen, jedes Denkmal einem Mitglied der Dynastie zuzuordnen.

Anekdote

Anfang der 1990er Jahre unterstützte die Deutsche Stiftung Denkmalschutz die Restaurierung dieser Wandepitaphien: Ihrer Farbigkeit zurückgegeben, zählen die Nischenfiguren von St. Arnual zu den bemerkenswertesten ihrer Art im deutschen Südwesten.

Siehe auch