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Renaissance in Deutschland

Schweriner Schloss

Schwerin

Schweriner Schloss

Auf seiner Insel im Schweriner See ist das bewunderte Schloss weithin eine historistische Märchenwelt von 1845-1857; doch hinter den Türmchen des 19. Jahrhunderts wacht noch die Renaissance. Zum See hin bestehen vier Baukörper des 16. Jahrhunderts mit den Terrakotten des Statius von Düren und die Kapelle von 1560-1563, erste protestantische Hofkirche des Nordens. Man muss unter dem Dekor zu blicken wissen, um den Palast der Herzöge Johann Albrecht wiederzufinden.

Was man sehen sollte

Der Gesamteindruck täuscht: Das malerische Profil mit seinen vergoldeten Kuppeln und zahllosen Türmchen stammt im Wesentlichen aus dem Wiederaufbau von 1845 bis 1857. Um die Renaissance zu lesen, muss man sich der Seeseite zuwenden, wo sich vier Bauten des 16. Jahrhunderts erhalten haben: das Haus über der Schlossküche, das Bischofshaus, das Neue Lange Haus und das Haus über der Schlosskirche. Sie sind die authentischen Kerne, um die das 19. Jahrhundert seinen großen Schmuck komponiert hat.

An diesen Fassaden sucht das Auge die glasierten Terrakotten aus der Werkstatt des Statius von Düren: Medaillons, Friese und Formsteine, die das Kennzeichen der norddeutschen Backsteinrenaissance sind. Die Schlosskirche, von 1560 bis 1563 errichtet, ist das andere Kleinod: Ihr Sandsteinportal und ihre biblischen Alabasterreliefs, von denen mehrere dem Bildhauer Willem van den Broeck zugeschrieben werden, zeugen von einer gelehrten, aus den Niederlanden und Italien eingeführten Renaissance.

Geschichte

Eine slawische Burg, dann eine mittelalterliche Residenz der mecklenburgischen Fürsten belegen die Seeinsel seit Langem. Die Renaissance-Wende kommt 1560, als Herzog Johann Albrecht I. seinen Baumeister Johann Baptista Parr mit dem Umbau und der Erweiterung des Schlosses nach dem Vorbild italienischer Paläste beauftragt. Aus dieser Kampagne stammen die seeseitig erhaltenen Bauten und die 1563 geweihte Kapelle: Als gebildeter, der Reformation zugewandter Fürst macht Johann Albrecht I. aus diesem Oratorium einen der ersten für den protestantischen Gottesdienst gedachten Bauten Mecklenburgs.

Über die Jahrhunderte bleibt das Schloss Residenz der Herzöge und späteren Großherzöge von Mecklenburg-Schwerin. Die große Baukampagne des 19. Jahrhunderts verändert seine Gestalt radikal: Von 1845 bis 1857 lassen unter Großherzog Friedrich Franz II. die Architekten Georg Adolph Demmler und danach Friedrich August Stüler die Anlage in einem spektakulären Neorenaissance-Stil wiedererrichten, genährt von französischen Vorbildern — die Silhouette erinnert an die Loireschlösser. Die Erbauer bewahren jedoch die vier historischen Bauten des 16. und 17. Jahrhunderts auf der Seeseite und binden sie in die neue Komposition ein.

Heute beherbergt das Schloss den Landtag von Mecklenburg-Vorpommern sowie ein Museum; es gehört zu den Kandidaten für das Welterbe der historistischen Residenzen.

Symbole und Geheimnisse

Schwerin ist ein Musterfall: ein Denkmal, in dem die Renaissance unter einem Dekor des 19. Jahrhunderts überdauert und in dem man beide zu unterscheiden wissen muss. Die Terrakotten des Statius von Düren sind die sicherste Spur der Baukampagne Johann Albrechts I.; sie verbinden Schwerin mit einer ganzen Familie von Residenzen der norddeutschen Backsteinrenaissance. Die Kapelle schließlich trägt eine konfessionelle Botschaft: Indem der Herzog sie für den reformierten Gottesdienst errichtet, schreibt er die Reformation in den Stein seiner Residenz. Der historistische Schmuck von 1845-1857 fügt darüber eine zweite symbolische Schicht hinzu — die einer Monarchie des 19. Jahrhunderts, die sich als Erbin der großen Renaissancehöfe träumt.

Warum dieser Ort zählt

Man kommt nach Schwerin wegen des romantischen Bildes seines Wasserschlosses, doch das Denkmal gilt auch als Dokument der mecklenburgischen Renaissance. Es bewahrt unter der Hülle des 19. Jahrhunderts eine authentische Substanz des 16.: Terrakottafassaden und eine der ersten dem protestantischen Gottesdienst gewidmeten Kapellen der Region. Gerade dieser Dialog zwischen zwei Epochen — der wirklichen Renaissance und ihrer historistischen Neudeutung — macht Schwerin so lehrreich.

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