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Renaissance in Deutschland

Schabbellhaus Wismar

Wismar

Schabbellhaus Wismar

In Wismar lässt sich der reiche Brauer Hinrich Schabbell, künftiger Bürgermeister, von 1569 bis 1571 nach den Plänen des Niederländers Philipp Brandin ein backsteinernes Brau- und Wohnhaus mit Renaissance-Giebeln errichten: einen der ältesten Renaissance-Bauten der ganzen Ostsee. Hinter der verzierten Fassade gärte das Bier, das den Reichtum der Hansestadt ausmachte. Das Haus eines Kaufmanns ist zum Gedächtnismuseum Wismars geworden.

Was man sehen sollte

Das Schabbellhaus erkennt man zuerst an seinem Giebel: ein hoher Volutengiebel mit Staffelung, typisch für die niederländische Renaissance, der einen zweigeschossigen Baukörper bekrönt. Das Haus steht an der schmalen Schweinsbrücke, nahe der Grube, und zeigt zur Straße zwei Renaissanceportale mit den Wappen des Ehepaars Schabbell. Achten Sie auf das Material: Der rote, heimische Backstein tritt in Dialog mit hellen, eingeführten Werksteinelementen — die niederländische Materialkombination, bei der der Stein Portale, Rahmungen und Bekrönung betont. Das Ganze hat nichts mehr vom spitzen gotischen Giebelhaus: Die Linien sind waagerecht, gegliedert, geschmückt. Im Inneren beherbergt das Gebäude heute auf rund 1 200 Quadratmetern die Sammlungen des Stadtgeschichtlichen Museums, sodass man auch die Räume eines großen Kaufmannshauses des 16. Jahrhunderts durchwandern kann.

Geschichte

Um die Mitte des 16. Jahrhunderts ist Wismar eine wohlhabende Hansestadt, und ihr Reichtum beruht zum Teil auf dem Bier: Das Brauen ist ein Hauptgewerbe. Hinrich Schabbell (1531-1600), Brauer, Ratsmitglied und später Bürgermeister, will ein Haus, das seinem Aufstieg entspricht. Er überträgt das Vorhaben Philipp Brandin, einem aus Utrecht stammenden Baumeister, der zwischen 1569 und 1571 ein Haus entwirft, das Wohnen, Handel und Brauerei vereint. Die Wahl eines niederländischen Baumeisters ist kein Zufall: Die Niederlande sind damals für den gesamten Nord- und Ostseeraum die Vermittler, über die sich die Renaissance verbreitet, mit ihrem Vokabular der Volutengiebel und ihrem kontrastreichen Gebrauch von Backstein und Stein. So wird das Schabbellhaus zu einem der ältesten Renaissancebauten des Ostseeraums. In den folgenden Jahrhunderten gerät Wismar unter die schwedische Krone, und das Haus wechselt seine Funktionen; es wurde restauriert und als Stadtgeschichtliches Museum wiedereröffnet.

Symbole und Geheimnisse

Das Schabbellhaus ist ein gesellschaftliches Manifest. Die beiden Portale mit den Wappen des Ehepaars zeigen auf Augenhöhe der Passanten den Namen und den Rang einer Brauerfamilie, die zur Bürgermeisterdynastie geworden ist: Die Architektur dient hier als Akt der Standeswürde. Der aus den Niederlanden eingeführte Volutengiebel ist das Zeichen schlechthin für Modernität: Er sagt, dass Schabbell nach Amsterdam und Antwerpen blickt, ebenso sehr wie auf die hansische Tradition. Die Verbindung von Backstein und hellem Stein ist nicht nur Zierde; der teure, über See herangeschaffte Stein betont die Ehrenpunkte der Fassade und misst das Vermögen des Bauherrn. Dass schließlich ein und dasselbe Haus das Ansehen des Wohnsitzes und den Geruch der Brauerei barg, erinnert daran, dass in der Hansestadt kaufmännischer Reichtum und Repräsentation nicht zu trennen waren: Man wohnte über seinem Handel.

Warum dieser Ort zählt

Dem Fürstenhof, der die aus Italien kommende Renaissance der Fürsten trägt, stellt das Schabbellhaus den anderen Weg gegenüber: den des kaufmännischen Bürgertums, genährt vom niederländischen Vorbild. Beide Bauten zeigen, in Wismar selbst, die zwei Kanäle, durch die die Renaissance die Ostsee erreicht — den herzoglichen Hof und den hansischen Handel. Weil es zu den ältesten Renaissancebauten der Region gehört und heute als Stadtmuseum zu besichtigen ist, lässt das Schabbellhaus von der Fassade bis zu den Innenräumen verstehen, wie ein Brauerhaus des 16. Jahrhunderts den Ehrgeiz einer Hansestadt in Stein und Backstein festhielt.

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