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Renaissance in Deutschland

Schloss Wurzen

Wurzen

Schloss Wurzen

Treten Sie in die Fußstapfen des Bischofs von Meißen. Am Ende des 15. Jahrhunderts lässt sich Johann VI. von Salhausen in Wurzen an der Mulde eine neue Residenz errichten — wir sind 1491, an der Schwelle, wo die ausgehende Gotik neuen Formen weicht. Ein Kirchenfürst vereint hier zwei Gewalten unter einem Dach: Krummstab und Zepter, Seele und Weltliches. Blicken Sie in den großen Saal hinauf: Das Zellengewölbe zieht an der Decke eine steinerne Spitze, deren Geheimnis die sächsischen Meister besaßen. Hinter dicken Mauern und dem Eckturm richtet sich ein bauender Bischof ein, zwischen zwei Zeitaltern der Architektur.# Schloss WurzenAn den Ufern der Mulde wurde das Schloss Wurzen am Ende des 15. Jahrhunderts für die Bischöfe von Meißen errichtet. Es ist ein Übergangsbau: noch spätgotisch in seinen Gewölben und Türmen, schon zur Renaissance gewandt durch seinen Wohnkomfort. Eher Residenz eines Fürstbischofs als Festung, zählt es zu den besterhaltenen Schlössern Sachsens.

Was man sehen sollte

Das Schloss zeigt sich auf rechteckigem Grundriss mit Ecktürmen, umgeben von einem trockenen Graben, über den eine mittelalterliche Zugbrücke führt. Die Fassade verbindet das aus dem Mittelalter ererbte Wehrvokabular mit einer neuen, wohnlichen Eleganz. Im Inneren entfaltet sich das eigentliche Wunder: über vierzig Netzgewölbe, jene Rippennetze, die geometrische Verschlingungen an die Decken zeichnen. Im Fürstensaal bewundert man ein Zellengewölbe, eine raffinierte Technik, die sich auch an den großen sächsischen Bauten der Zeit findet. Fenster mit geschwungenen Profilen und Portale zeugen vom Können der Baumeister im Umkreis Arnolds von Westfalen.

Geschichte

Das heutige Schloss entstand zwischen 1491 und 1497 auf Veranlassung des Bischofs Johann VI. von Saalhausen, Fürstbischof von Meißen, der eine Residenz außerhalb seiner Bischofsstadt wünschte. Der Bau wird dem Kreis der großen sächsischen Baumeister zugeschrieben: Die Quellen nennen Arnold von Westfalen, den Erbauer der Albrechtsburg in Meißen, sowie Konrad Pflüger — die genaue Zuschreibung bleibt umstritten, hier ist Zurückhaltung geboten. Die Meißner Bischöfe residierten bis 1581, als der letzte von ihnen, Johann IX. von Haugwitz, im Zuge der Reformation abdankte. Das Schloss ging darauf an die kursächsische Macht über und wurde für mehrere Jahrhunderte Amtssitz. Im Laufe der Zeit verändert und gepflegt, beherbergt es heute Hotel- und Kulturbetrieb.

Symbole und Geheimnisse

Wurzen ist ein Architekturbuch, aufgeschlagen an einem Wendepunkt. Netz- und Zellengewölbe künden vom Höhepunkt der sächsischen Spätgotik, während die Wohnbestimmung des Ortes — ein Schloss zum Wohnen, nicht nur zur Verteidigung — die Renaissance ankündigt. Die Verwandtschaft mit der Albrechtsburg ist kein Zufall: Das Sachsen des späten 15. Jahrhunderts erfindet mit diesen Bauten einen neuen Typ fürstlicher Residenz. Der trockene Graben und die Zugbrücke erinnern freilich daran, dass die Erinnerung an die Festung noch nicht erloschen war. Das Schloss bewahrt auch die Erinnerung an eine Krise: 1542 brachte der Steuerstreit um das Wurzener Stift die beiden Linien des Hauses Sachsen gegeneinander auf, sodass es des Eingreifens Luthers bedurfte, um den Krieg zu verhindern.

Warum dieser Ort zählt

Wurzen veranschaulicht besser als manches berühmtere Bauwerk den Übergang von der Burg zur Renaissance-Residenz in Mitteldeutschland. In nur sechs Jahren in einem Zug erbaut, außergewöhnlich gut erhalten, bietet es ein Ensemble von Gewölben, die zu den bemerkenswertesten Sachsens zählen. Es beleuchtet zugleich die Rolle der Meißner Fürstbischöfe, jener geistlichen Bauherren, am Vorabend der Umwälzungen der Reformation. Wer verstehen will, wie die Renaissance nördlich der Alpen Einzug hält, findet in Wurzen ein entscheidendes Glied, bescheiden im Ruhm, aber wesentlich durch seine Geschlossenheit.

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