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Renaissance in Deutschland

Schloss Wolfsburg

Wolfsburg

Schloss Wolfsburg

An der Aller erweitert die Familie von Bartensleben im 16. Jahrhundert ihr Wasserschloss zu einem Renaissance-Wohnsitz: ein nordöstliches Beispiel, am Rand der Weserrenaissance, eines die Flüsse hinaufwandernden Stils. Innenhof, Rundtürme, verzierte Giebel künden vom Rang eines reichsritterlichen Geschlechts. Lange abgelegen, gab der Ort der Stadt, die ihn heute umgibt, seinen Namen.

Was man sehen sollte

Wolfsburg ist ein aus der Umbauung einer Burg entstandenes Schloss: Ab 1574 lässt Hans von Bartensleben den alten mittelalterlichen Platz umgeben und umgestalten, zu einem vierflügeligen Geviert um einen großen Hof (etwa 50 × 60 m). Zu sehen ist dieser Übergang von der Burg zum Schloss: Der mittelalterliche Bergfried bleibt erhalten, während die Renaissanceflügel mit ihren Ziergiebeln und Ecktürmen das Ganze in ein neues Gewand hüllen. Der Hof, einer der weitesten der Region, gibt das Maß des Ehrgeizes.

Das Schloss markiert die östliche Grenze der Weserrenaissance: Fern vom Wesertal zeigt es, wie weit der Stil ausstrahlte — bis an die Ränder der Heide, östlich von Braunschweig. Die Steindetails (Giebel, Gewände) sind schlichter als in Hämelschenburg, doch die Grammatik ist dieselbe. Die Flügel beherbergen heute die Städtische Galerie, das Stadtmuseum und einen Kunstverein: Das Schloss ist ein Ort der Kultur geworden und hat doch seine Struktur des 16. Jahrhunderts bewahrt.

Geschichte

Der Ort ist seit dem 13. Jahrhundert im Besitz der Familie von Bartensleben; die erste Erwähnung, Wluesborch, reicht bis 1302 zurück. Im 16. Jahrhundert genügt die alte Burg dem Rang eines Adels nicht mehr, der glänzen will: Hans von Bartensleben beginnt 1574 ihren Umbau zum Renaissanceschloss. Der Bau dauert bis etwa 1620, als das vierflügelige Geviert vollendet ist. 1742 erlischt die Linie von Bartensleben; das Schloss geht durch Erbe an die von der Schulenburg über.

Im 20. Jahrhundert erlebt der Name Wolfsburg ein eigenes Schicksal: Die 1938 um das Automobilwerk gegründete neue Stadt übernimmt den Namen des Schlosses. Dieses, lange ein bloßer Wohnsitz, ist heute öffentlicher Besitz und beherbergt Kultureinrichtungen. Sein Hof und seine erhaltenen Renaissanceflügel bieten einen auffälligen Kontrast zur Industriestadt, die es umgibt.

Symbole und Geheimnisse

Wolfsburg bezeugt die geografische Reichweite der Weserrenaissance: Ein aus dem Weserhandel geborener Stil strahlt bis an die Ränder der Heide aus, getragen von einem Adel, der überall dieselbe Modernität will. Das Schloss birgt auch das Geheimnis seines Namens: Wolfsburg, „Burg des Wolfs", von einer mittelalterlichen Burg an eine Stadt des 20. Jahrhunderts weitergegeben, über die Jahrhunderte hinweg. Die Umbauung des alten Bergfrieds durch die neuen Flügel ist schließlich ein sprechendes Bild: Die Renaissance tilgt das Mittelalter nicht immer, sie kleidet es ein.

Warum dieser Ort zählt

Weil Wolfsburg die Karte der Weserrenaissance nach Osten erweitert und einen anderen Typus zeigt: nicht das Wasserschloss des Tals, sondern die zur Residenz umgebaute Festlandburg. So ergänzt es die Reihe des Gebiets — Hämelschenburg, Schwöbber, Bevern, Gifhorn, Stadthagen, Bückeburg — und markiert die östliche Grenze des Stils. Und sein Name, vom Schloss auf die Automobilstadt übergegangen, macht es zu einem der Orte, an denen sich das ferne 16. Jahrhundert und das heutige Deutschland berühren.

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