In Hameln lassen Tobias von Dempter und seine Frau 1607-1608 ein Steinhaus errichten, dessen verzierter Giebel ihr Wappen und ihr Gedächtnis trägt. In der Weserstadt hieß die steinerne Fassade zu zeigen, seinen Namen in die Dauer zu meißeln. Die geschnitzten Bänder und die Auslucht künden schlicht vom Stolz eines Kaufmannsgeschlechts.
Was man sehen sollte
Das Dempterhaus liest sich in zwei Registern. Unten ein steinernes Erdgeschoss, aus dem eine Utlucht (vorkragender Erker) tritt, welche die Hauptstube hervorhebt und der Fassade Relief gibt. Oben Geschosse in Fachwerk, beladen mit einer Fülle von Renaissanceornamenten: Das ist die ganze Kunst des Patrizierhauses an der Weser, die die Festigkeit des Steins und die Virtuosität des geschnitzten Gebälks verbindet.
Über der Eingangstür ist eine Bauinschrift von den steinernen Wappen der Familien Dempter und Bock gerahmt — eine Weise, das Ehebündnis, das dem Haus zugrunde liegt, in die Fassade einzuschreiben. Am Giebel des Erkers erhebt sich eine Figur der Ceres, der antiken Göttin des Ackerbaus und der Fruchtbarkeit: ein Wunsch nach Wohlstand für die Familie und ihren Handel.
Geschichte
Das Haus wird 1607-1608 von Tobias von Dempter errichtet, der Bürgermeister von Hameln werden und während des Dreißigjährigen Krieges eine wichtige Rolle spielen wird. Er lässt dieses Haus kurz nach seiner Heirat mit Anna Bock, der Tochter eines Predigers, erbauen — eine Verbindung, deren beide Wappen, Dempter und Bock, über der Tür das Gedächtnis bewahren. Das Haus erhebt sich im Herzen der Stadt, im Umkreis der Osterstraße, jener „Prachtmeile", an der die Patrizier mit Fassaden wetteiferten.
Das Dempterhaus gehört zur selben Generation wie das Leisthaus, das Stiftsherrenhaus und das Rattenfängerhaus: Zusammen machen diese Häuser Hameln zu einer Hochburg der bürgerlichen Architektur der Weserrenaissance. Am Vorabend des Dreißigjährigen Krieges errichtet, der die Region hart prüfen sollte, ist es Zeuge eines letzten Moments von Wohlstand und Zuversicht vor dem Sturm.
Symbole und Geheimnisse
Das Dempterhaus erzählt eine Geschichte von Familie und Ehrgeiz. Die beiden Wappen über der Tür sind kein bloßer heraldischer Schmuck: Sie verkünden ein Bündnis, den gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Sockel, auf dem das Vermögen des jungen Paares ruht. Die Figur der Ceres am Erkergiebel ist eine vielsagende Wahl: Die Göttin der Ernte ist in einer vom Getreidehandel lebenden Stadt ein Wunsch nach Reichtum und Fruchtbarkeit — für die Nachkommenschaft wie für die Geschäfte. Die Verbindung von Stein und Fachwerk schließlich bekundet eine sehr norddeutsche Art der Renaissance: nicht der ganz steinerne Palast nach italienischer Art, sondern eine hybride Architektur, in der das lokale Zimmermannshandwerk sich mit gelehrtem Dekor bedeckt.
Warum dieser Ort zählt
Weil das Dempterhaus besser als manch anderes die Verbindung von Stein und Holz veranschaulicht, die das Patrizierhaus der Weserrenaissance kennzeichnet. Mit seinen Wappen, seiner Inschrift und seiner Ceres gibt es dem Erfolg einer Hamelner Familie zu Beginn des 17. Jahrhunderts ein konkretes Gesicht. An der Prachtmeile der Stadt ergänzt es den Chor der großen Bürgerhäuser und trägt die Erinnerung an einen Bürgermeister in sich, der den Dreißigjährigen Krieg durchlebte.

