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Renaissance in Deutschland

St. Lorenz (Nürnberg)

Nuremberg

St. Lorenz (Nürnberg)

Suchen Sie ihn am Fuß des Sakramentshauses: Fast zwanzig Meter durchbrochener Stein steigen zum Gewölbe, und ganz unten trägt ein kniender Mann das Werk auf den Schultern — Adam Kraft hat sich selbst unter sein Werk gemeißelt (1493-1496). Heben Sie dann den Blick zum Chor: Der Englische Gruß des Veit Stoß schwebt dort, ein Kranz aus fünfundfünfzig goldenen Rosen um Maria und Gabriel, 1517 vom Patrizier Anton Tucher gestiftet. Nürnberg wird 1525 reformiert — und gegen den Bildersturm zerstört die Stadt nicht: Sie hüllt den Gruß nur in eine Schutzhülle. Hier, in der reichsten Reichsstadt des Südens, siegte die Kunst über den Eifer.# Die Lorenzkirche in NürnbergAm Südufer der Pegnitz erhebt St. Lorenz seine Doppelturmfassade und die große Fensterrose. In dieser gotischen Kirche hat die reichste Reichsstadt des Südens zwei Meisterwerke ihrer Bildhauerei versammelt: den Engelsgruß von Veit Stoß (1517-1518), frei im Chor schwebend, und das Sakramentshaus Adam Krafts (1493-1496), fast zwanzig Meter hoch. Zwei Gipfel Nürnberger Kunst an der Schwelle zur Renaissance.

Was man sehen sollte

Heben Sie den Blick zum Chor: Dort schwebt der Engelsgruß, 1517-1518 von Veit Stoß für den Patrizier Anton Tucher geschnitzt. Maria und der Erzengel Gabriel, überlebensgroß, aus bemaltem und vergoldetem Lindenholz, sind von einem Kranz aus fünfundfünfzig goldenen Rosen umschlossen. Das Werk, 372 mal 320 Zentimeter, hängt im vollen Licht: Es dreht sich sanft, lebendig, über den Gläubigen.

Suchen Sie dann das Sakramentshaus von Adam Kraft (1493-1496), ein fast zwanzig Meter hohes Sandstein-Tabernakel, das als durchbrochene Fiale an einem Pfeiler emporwächst, finanziert vom Kaufmann Hans Imhoff dem Älteren. An seinem Fuß tragen drei kniende Figuren das Bauwerk: Eine von ihnen ist das Selbstbildnis des Bildhauers, Adam Kraft, der sich dargestellt hat, wie er sein eigenes Werk auf den Schultern trägt — eine Geste von Stolz und Frömmigkeit, selten nördlich der Alpen. Diese beiden Stücke und die Chorfenster machen St. Lorenz zu einem lebendigen Museum der Spätgotik und des frühen 16. Jahrhunderts.

Geschichte

St. Lorenz, Pfarrkirche der Unterstadt, wurde vom 13. bis zum 15. Jahrhundert errichtet, ihr weiter Hallenchor um 1477 vollendet. Nürnberg, Knotenpunkt des europäischen Handels und Sitz großer Patrizierfamilien — Tucher, Imhoff, Pirckheimer —, machte sie zum Schrein ihres Mäzenatentums. In diesem Rahmen entstehen Krafts Sakramentshaus, um 1496 gestiftet, und Stoß' Engelsgruß, 1517 bestellt.

1525 trat die Stadt zur Reformation über. Überall sonst zerstörte der Bildersturm die Bilder; in Nürnberg wählte der Rat die Vorsicht. Der Engelsgruß wurde während der Gottesdienste bloß mit einer Hülle verhängt, um jeden „Kult" des Bildes zu vermeiden, nie aber abgenommen. So überdauerten die beiden Meisterwerke die Jahrhunderte. 1945 wurde die Kirche schwer beschädigt und dann restauriert; ihre ausgelagerten Skulpturen wurden gerettet.

Symbole und Geheimnisse

Der Engelsgruß ist nicht nur eine Verkündigung: Der Rosenkranz macht ihn zu einem geschnitzten Rosenkranz, jede Rose ein Gebet. Indem Stoß ihn in die Leere hängt, befreit er die Skulptur von Retabel und Wand — sie wird ein Objekt, das im Raum lebt. Krafts Sakramentshaus wiederum ist eine Miniaturarchitektur, die den Leib Christi birgt; sein Selbstbildnis am Fuß bezeugt das neue Selbstbewusstsein des Künstlers, der sein Werk mit dem eigenen Gesicht signiert.

Warum dieser Ort zählt

Weil St. Lorenz in einem Schiff zwei der größten deutschen Bildhauer der Dürer-Generation vereint, bewahrt dort, wo sie geschaffen wurden. Und weil das Überleben dieser Werke — verhängt statt zerschlagen — von einer maßvollen Nürnberger Reformation erzählt, in der die Achtung vor der Kunst dem Bildersturm standhielt.

(Ende)

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