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Renaissance in Deutschland

Pellerhaus (Pellerhof)

Nürnberg

Pellerhaus (Pellerhof)

Stellen Sie sich vor, Sie wären um 1610 beim Kaufmann Martin Peller zu Gast: Hinter dem Portal weicht die Straße zurück, und die Stadt faltet sich zu einem steinernen Theater. Zwei Arkadengeschosse steigen zu einem Viereck Himmel empor — der Hof, den zugelassenen Gästen vorbehalten, in dem das Nürnberger Patriziat sein Vermögen in Szene setzte. Die Fassade verbrannte 1945; doch dieser Pellerhof, Stein für Stein wiedererstanden, öffnet heute erneut sein Schmuckstück.

Was man sehen sollte

Man muss zuerst wissen, was man nicht mehr sieht. Die ursprüngliche Fassade, ab 1602 von Baumeister Jakob Wolff dem Älteren für den Kaufmann Martin Peller errichtet, zählte sieben Fensterachsen über einem rustizierten Sockel, zwei volle Geschosse und drei Giebelstaffeln, bekrönt von einer Jupiterfigur: das Manifest eines ebenso gebildeten wie vermögenden Handelspatriziats. Von dieser Fassade ist an Ort und Stelle nichts erhalten; ein Bau der 1950er Jahre besetzt heute die Straßenfront. Herzstück des Besuchs ist daher der Innenhof, der Pellerhof. Treten Sie durch das Portal und blicken Sie nach oben: Zwei Arkadengeschosse umfangen einen quadratischen Raum, gegliedert durch Säulen und Brüstungen, belebt von einem Reliefschmuck, der die Wände in steinerne Spitze verwandelt. Betrachten Sie den Treppenturm und die unteren Partien: Sie haben, mit Fragmenten der Arkaden, den Krieg überdauert und bilden den Anker der Rekonstruktion.

Geschichte

Martin Peller, im Fernhandel reich geworden, lässt sein Haus ab 1602 am Egidienplatz errichten; der Hof wird um 1607 vollendet. Das Werk, Jakob Wolff dem Älteren zugeschrieben, gilt sogleich als Höhepunkt der bürgerlichen Renaissance-Architektur Nürnbergs, im 19. Jahrhundert vielfach gestochen und als Vorbild gefeiert. Die Katastrophe bringt der Zweite Weltkrieg: Die Bombardements vom Oktober 1944 und Januar 1945 zerstören das Haus. Der Vernichtung entgehen ein Teil des Erdgeschosses mit Eingangshalle, der Treppenturm, die Keller und Abschnitte des Arkadenhofs. Von 1955 bis 1957 errichten die Architekten Fritz und Walter Mayer den Bau in betont moderner Sprache wieder, um Archiv- und Bibliotheksräume aufzunehmen. Die Renaissance-Fassade wird nicht wiederhergestellt. Erst das Engagement der Altstadtfreunde Nürnberg lässt ab 2008 den Hof selbst wiedererstehen: finanziert durch rund 4,5 Millionen Euro an Spenden, wird der Rohbau des Pellerhofs 2018 abgeschlossen.

Symbole und Geheimnisse

Das Pellerhaus sprach vom gemessenen Stolz einer städtischen Elite. In Nürnberg, Freier Reichsstadt, war die Macht nicht fürstlich, sondern patrizisch: Man zeigte seinen Erfolg nicht durch ein Schloss, sondern durch ein Haus. Die Staffelgiebelfassade und die Jupiterfigur schrieben den Kaufmann in die große humanistische Kultur ein; der Hof, den zugelassenen Gästen vorbehalten, bot ein italienisch anmutendes Arkadentheater, ins Innere der Wohnung verlegt. Heute trägt der Ort einen zweiten, ungewollten Sinn: Er ist ein Lehrstück über das Gedächtnis der Denkmäler geworden. Was wiederaufbauen, und wie? Der Pellerhof bekennt sich zu seinem Anteil an Rekonstruktion; er ahmt den versehrten Stein nicht nach, er führt ihn fort und hält die erhaltenen authentischen Teile sichtbar.

Warum dieser Ort zählt

Das Pellerhaus ist einer der großen Namen der deutschen Profan-Renaissance, überall als Inbegriff des Nürnberger Patrizierhauses zitiert. Auch ohne seine Fassade bleibt es wesentlich: Sein Hof lässt verstehen, wie nördlich der Alpen die Freien Städte das italienische Vokabular — Galerien, Arkaden, regelmäßige Ordnung — an die bürgerliche Architektur anpassten. Das Werk der Altstadtfreunde macht es zudem zu einem lebendigen Symbol: dem einer Gemeinschaft, die das, was der Krieg genommen hatte, neu zu formen beschloss. Übereinandergeschichtet liest man hier die Pracht eines Handelszeitalters und die Zähigkeit einer Stadt.

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