In der thüringischen Ebene, nordöstlich von Erfurt, ist Schloss Kannawurf ein Renaissancesitz, 1564 von Georg II. Vitzthum von Eckstedt auf Familienland erbaut. Inschriften an Türen und Fenstern datieren den Bau zwischen 1563 und 1565 und geben ihm eine außergewöhnlich genaue Chronologie.
Was zu sehen ist
Der Bau zeigt sich als Dreiflügelanlage um einen fast quadratischen Hof, wobei eine Schildmauer und ein Rundturm die vierte Seite schließen. Dieses Konzept — drei Flügel und ein geschlossener Hof — nimmt das Dresdner Residenzschloss auf, das Vorbild der sächsischen Renaissance, dessen Geist das thüringische Schloss in seinem Maßstab wiederaufnimmt. Die auf 1563 bis 1565 datierten Inschriften an den Öffnungsrahmen sind ein seltenes Zeugnis, das den Bau in eine sehr kurze Zeit bindet und ihn zu einem sicheren chronologischen Bezugspunkt der regionalen Renaissance macht. Seit 2007 gehört das teilrestaurierte Schloss gemeinsam dem thüringischen Zentrum für Denkmalpflege und einer Künstlergenossenschaft, die es zu einem Ort kultureller Veranstaltungen machen. Für den Atlas gilt Kannawurf als genau datiertes Renaissanceschloss, ein schönes Beispiel der Verbreitung des sächsischen Residenzmodells in Thüringen.
Geschichte
Georg II. Vitzthum von Eckstedt errichtete das Schloss 1564, eine Rangbehauptung einer auf diesem Land verwurzelten Adelsfamilie. Der Besitz wechselte danach mehrfach: Die von Bose erwarben ihn 1685, die von Helmolt 1726, dann die Fürsten von Schwarzburg-Sondershausen 1839. Nach 1914 wurde das Gut eine Staatsdomäne, dann eine landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft der DDR. Die Übernahme durch einen Denkmalakteur und eine Künstlergemeinschaft 2007 rettete den Bau und gab ihm ein kulturelles Leben. Kannawurf zeigt, wie der thüringische Adel mittleren Ranges um die Mitte des 16. Jahrhunderts den Grundriss und das Vokabular der großen sächsischen Renaissance übernahm, deren Herd Dresden war: ein Schloss, das fern des kurfürstlichen Hofes dessen Modell getreu übertrug.

