In Bevern lässt Statius von Münchhausen, reich geworden und ehrgeizig, von 1603 bis 1612 ein vierflügeliges Schloss von vollkommener Symmetrie errichten, eines der vollendetsten der Weserrenaissance. Ecktürmchen, geschlossener Hof, Giebel mit Obelisken: Alles zeigt den Erfolg eines Mannes, der mit Fürsten wetteifern will. Fast ruiniert er sich daran — der Stein aber hat gehalten.
Was man sehen sollte
Was man in Bevern sehen muss, ist die Regelmäßigkeit des Grundrisses. Anders als Hämelschenburg oder Schwöbber, in aufeinanderfolgenden Flügeln erbaut, ist Bevern eine Vierflügelanlage um einen fast quadratischen Innenhof, von Gräften umgeben, die zwei Brücken überspannten. Diese regelmäßige Geschlossenheit, in der Region selten, verleiht dem Schloss das Aussehen eines Palastes: Man betritt es durch ein geschnitztes Portal, und der Hof schließt sich wie ein steinernes Theater.
Das Detail, das die Weserrenaissance ausmacht, ist überall: Volutengiebel, Gesimse, Kreuzstockfenster, Ausluchten (aus der Wand vortretende verglaste Erker), Portale mit steinernem Beschlagwerk. Ursprünglich erschlossen zwei Treppentürme die Geschosse vom Hof aus. Heute beherbergen die Flügel ein Kulturzentrum und seit 2008 eine Erlebniswelt Renaissance, der Epoche und der Baukunst des 16. Jahrhunderts gewidmet. Der fast geschlossene Hof dient als Rahmen für Konzerte: Man erfährt dort die Akustik und die Vertikalität eines Renaissanceraums.
Geschichte
Das Schloss ist das Werk des Statius von Münchhausen (1555-1633), aus derselben großen Familie wie die Erbauer von Schwöbber. An der Stelle eines mittelalterlichen Baus der Herren von Bevern lässt er von 1603 bis 1612 ein neues, regelmäßiges und prächtiges Schloss errichten, dessen Plan dem Hamelner Werkmeister Johann Hundertossen zugeschrieben wird. Die Bauplastik wird einer Werkstatt um den Steinmetz Johann von Mehle zugeordnet. Statius baut groß — vielleicht zu groß: Seine Bauten und Prozesse ruinieren ihn am Ende, und das Schloss wechselt in den folgenden Jahrhunderten mehrfach den Besitzer.
Nach seiner Zeit als Adelssitz erlebt Bevern wechselnde Nutzungen und die Prüfungen der Region. Restauriert, ist es heute ein Kulturzentrum des Landkreises Holzminden: heimatkundliches Museum (seit 1976), Ausstellungen, Konzerte und der in den Flügeln eingerichtete Renaissance-Parcours. Es ist ein der Öffentlichkeit zurückgegebenes Schloss, in dem die Architektur des 17. Jahrhunderts als lebendige Kulisse für das Gedächtnis der Weserrenaissance dient.
Symbole und Geheimnisse
Bevern ist das Schloss von Maß und Maßlosigkeit. Maß im Grundriss: ein geschlossenes, symmetrisches Geviert, das das Renaissanceideal der Regelmäßigkeit zeigt, selten in einer Region, die addierte Flügel bevorzugte. Maßlosigkeit im Ehrgeiz des Bauherrn: Statius von Münchhausen errichtet am Vorabend des Dreißigjährigen Krieges einen Palast, der seine Mittel übersteigt, und verausgabt sich daran. So bezeugt das Schloss in seinem Stein die Spannung eines Adels, der um jeden Preis glänzen will, in dem Augenblick, da das Reich in den Krieg stürzt.
Warum dieser Ort zählt
Weil Bevern die vollendetste Form der residentiellen Weserrenaissance zeigt: nicht mehr die Addition von Flügeln über Generationen, sondern ein aus einem Entwurf gedachtes Geviert, um seinen Hof geschlossen. Mit Hämelschenburg und Schwöbber bildet es das Dreieck der großen Renaissanceschlösser des Weserberglands, alle derselben Handvoll Familien und Hamelner Werkmeister verbunden. Der Öffentlichkeit zurückgegeben und von Kultur bewohnt, bleibt es der Ort, an dem man beim Betreten eines Hofes versteht, was der Ehrgeiz eines Weserherrn um 1610 bedeutete.

