Am Kreuzungspunkt zweier Fernhandelswege gelegen und bereits 1351 erwähnt, erfuhr das Rathaus Höxter von 1608 bis 1618 einen durchgreifenden Umbau im Stil der Weserrenaissance. Das Rathaus, Zeichen der Selbstverwaltung und des Wohlstands der Bürgerschaft, ist einer der großen Orte, an denen sich dieser regionale Stil neben den Adelsschlössern entfaltete.
Was zu sehen ist
Das auskragende Fachwerkobergeschoss und der achteckige Treppenturm an der Marktfront stammen aus dieser Zeit. Das vorkragende Fachwerk, bei dem die Holzbalken über dem steinernen Erdgeschoss ein regelmäßiges Netz bilden, ist typisch für die Weserstädte, die Mauerwerk und gezierte Zimmermannsarbeit gern verbanden. Der Treppenturm mit Eckquaderung ist bis zum Wasserschlag original, seine oberen Teile wurden 1886 und 1901 rekonstruiert — eine für das Auge wichtige Unterscheidung, die die Renaissance-Substanz von den späteren Erneuerungen trennt. Im Turm hängt ein Glockenspiel mit 35 Bronzeglocken, das noch über dem Platz erklingt.
Geschichte
Den Umbau verfügte wohl 1608 Fürstabt Dietrich IV. von Beringhausen aus dem benachbarten Corvey, einer mächtigen geistlichen Herrschaft, die Höxter unter ihrer Autorität hielt. Die Schirmherrschaft eines Fürstabts über ein Rathaus erinnert daran, dass im Reich viele Städte einem geistlichen Herrn unterstanden, dessen Zustimmung und bisweilen Anstoß den großen städtischen Bauvorhaben vorausging. Höxter, ein wohlhabender Handelsplatz an der Weser, konnte so zugleich dem Ehrgeiz der Abtei dienen und mit diesem Bau den Stolz der eigenen Bürgerschaft zeigen. Das Rathaus veranschaulicht den architektonischen Kompromiss der Region aufs Beste: im Erdgeschoss der massive, schlichte Stein der öffentlichen Funktionen; darüber das gezierte Fachwerk, das die Masse auflockert und das Können der Zimmerleute zeigt; davor der Treppenturm, der den Bau von weitem ankündigt. Dieses Vokabular kehrt, abgewandelt, in den benachbarten Rathäusern von Bad Salzuflen und Brakel wieder, sodass sich eine regelrechte Familie bürgerlicher Bauten der Weserrenaissance bildet, mit denen die kleinen Städte um Würde wetteiferten. Höxter gehört mit seinem Glockenspielturm zu den eindrücklichsten dieser Bauten.

