In der Mitte des Marktplatzes von Pirna, am Tor zur Sächsischen Schweiz, verdankt das Rathaus sein Renaissancegesicht einer Kampagne, die zwischen 1555 und 1558 unter dem Baumeister Wolf Blechschmidt geführt wurde. Seit 1396 bezeugt, zunächst spätgotisch, dann nach dem Brand von 1486 wiederaufgebaut, wurde es damals modernisiert.
Was zu sehen ist
Blechschmidts Umbau zwischen 1555 und 1558 gab dem Bau seinen heutigen Renaissancecharakter: Dieser Kampagne verdanken sich die Ordnung und der Schmuck, die noch heute am Platz auffallen. Blechschmidt, zwischen 1540 und 1560 in Pirna als Steinmetz und Baumeister bezeugt, hat seine Spur in mehreren Gewölben der Stadt hinterlassen — in der Kirche, im Rathaus und in Bürgerhäusern. Seine sprechendste Signatur findet sich unweit, an seinem eigenen Haus (dem „Blechschmidthaus"): Ein reiches spätrenaissancezeitliches Sitznischenportal trägt über dem Eingang das Bildnis des Meisters mit seinem Steinmetzzeichen. Um das Rathaus zu lesen, muss man es also mit diesem über Pirna verstreuten Werk Blechschmidts zusammensehen, dessen bedeutendstes öffentliches Stück es ist.
Geschichte
Das Rathaus von Pirna wurde erstmals 1396 erwähnt. Zunächst spätgotisch erbaut, wurde es 1486 nach einem verheerenden Brand wiederaufgebaut und zwischen 1555 und 1558 tiefgreifend umgestaltet. Diese Renaissance-Kampagne fällt mit dem Aufstieg der Stadt unter dem sächsischen Kurfürstentum zusammen, als Pirna, Elbhafen und Zentrum der Sandsteinbearbeitung, gedieh. Wolf Blechschmidt, der auch sein eigenes Haus um 1544 unter Wiederverwendung von Bauteilen des 13. Jahrhunderts umbaute und dort bis 1563 lebte, verkörpert die Generation der Handwerker-Baumeister, die die Renaissance in die mittleren Städte Sachsens trugen. Für den Atlas gilt das Rathaus Pirna als öffentliches Werk eines gut benannten lokalen Meisters, ein konkretes Beispiel dafür, wie der neue Stil Bauhütte um Bauhütte das sächsische Stadtgefüge erfasste.

