In Friedberg, in der Wetterau, ist die Stadtkirche Unserer Lieben Frau eine der bedeutendsten und größten gotischen Hallenkirchen des Mittelrheins und Hessens. Ihre Architektur gehört der Gotik, doch ihr Mobiliar reicht durch die Jahrhunderte bis in unsere Periode, und die gewaltlose Reformation bewahrte ihre mittelalterlichen Schätze.
Was zu sehen ist
Das Meisterwerk der Kirche ist das Sakramentshaus, von 1482 bis 1484 vom Bildhauer Hans von Düren errichtet: vierzehn Meter hoch, sechseckig im Grundriss, entfaltet es spätgotische Virtuosität an der Nordseite des Chors. Für die eigentliche Renaissancezeit ist das zentrale Element die Orgel: Auf das Instrument des 15. Jahrhunderts folgten von 1612 bis 1614 Arbeiten Georg Wagners, die eine zweimanualige Orgel mit Rückpositiv schufen. Der Chor bewahrt Eichenstühle der Mitte des 14. Jahrhunderts und einen Lettner, dessen spätgotische Form auf 1430 zurückgeht. Zwei große mittelalterliche Altäre der Kirche befinden sich heute im Landesmuseum Darmstadt. Friedberg ist also als gotische Halle zu lesen, deren Renaissance sich vor allem in der Musik zeigt, wobei die Orgel von 1612-1614 die Aktualisierung eines ansonsten erhaltenen Baus markiert.
Geschichte
Die Kirche wurde über lange Zeit gebaut, von 1260 bis 1410, als Ersatz einer romanischen Basilika; der Hochaltar wurde 1306 geweiht. Die 1552 eingeführte Reformation verlief ohne Bildersturm: Die mittelalterlichen Werke wurden bewahrt statt zerstört, was den Reichtum der alten Ausstattung erklärt. Die Orgel von 1612-1614 gehört der Generation an, die nach der Reformation die Kirche weiter für den protestantischen Kult ausrüstete. Für den Atlas gilt die Stadtkirche Friedberg zunächst als große gotische Halle, doch sie gewinnt ihren Platz durch die Stimmigkeit ihres Mobiliars und die Renaissance-Orgel von 1612-1614 — ein ehrlicher Fall, in dem der Beitrag des 16.-17. Jahrhunderts musikalisch und bewahrend statt architektonisch ist.

