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Renaissance in Deutschland

Bückeburger Stadtkirche

Bückeburg

Bückeburger Stadtkirche

In Bückeburg erhebt die Stadtkirche um 1611 eine leuchtende Fassade, die man ein „Manifest der lutherischen Pracht" nennt: eine evangelische Kirche, die sich die Herrlichkeit einer Kathedrale wagt. Graf Ernst verkündet hier in Stein, dass die Reformation schön sein darf. Über dem Portal beansprucht eine Inschrift das Beispiel einer triumphierenden Frömmigkeit.

Was man sehen sollte

Zuerst zu sehen ist die Fassade, eine der gelehrtesten der Weserrenaissance. Aus Obernkirchener Sandstein trägt sie über dem Wappen des Fürsten den lateinischen Spruch EXEMPLVM RELIGIONIS NON STRVCTVRAE — „ein Beispiel der Frömmigkeit, nicht der Baukunst". Doch es ist eine falsche Bescheidenheit: Die Anfangsbuchstaben des Spruchs bilden den Namen ERNST, des fürstlichen Bauherrn. Die Fassade ist also eine doppelte Rede — zur Schau gestellte Demut, verborgener Stolz — typisch für den Geist des Manierismus.

Im Inneren ist die Kirche eine dreischiffige Halle, ohne Turm (der sandige Boden ließ ihn nicht zu), in der die spätgotischen Formen der Struktur einen Renaissance- und frühbarocken Zierrat tragen. Der Schatz ist das Bronzetaufbecken, Werk des großen Bildhauers Adriaen de Vries (1615): ein monumentales Gusswerk, das als Meisterwerk der Kirche gilt. Die Kanzel von Hans Wolf entfaltet in Flachreliefs Szenen aus dem Leben Christi; sie ist eine der schönsten Norddeutschlands. Alles hier — Taufe, Kanzel, Gewölbe — dient einer Inszenierung des Wortes und des Sakraments.

Geschichte

Die Kirche entspringt dem Programm des Ernst von Holstein-Schaumburg, der ab 1601 Bückeburg zu seiner Residenz und seinem Schaufenster macht. Zwischen 1611 und 1615 errichtet er diese neue Kirche, gedacht nicht als bloße Pfarrkirche, sondern als konfessionelles Monument. Der Bau beschäftigt die besten Künstler: Adriaen de Vries, Bronzebildhauer von europäischem Ruf, für die Taufe; Hans Wolf für die Kanzel; Wesersteinmetzen für den Stein. Das Ergebnis ist eine der ersten Demonstrationen, dass auch der Protestantismus groß bauen und reich schmücken konnte.

Die Kirche überdauerte die Jahrhunderte als Hauptgotteshaus der Stadt. Zu ihren Gestalten zählen berühmte Männer: Der Philosoph und Theologe Johann Gottfried Herder war hier im 18. Jahrhundert Hauptpastor, und Johann Christoph Friedrich Bach, Sohn Johann Sebastians, diente als Hofmusiker. Doch es ist der Augenblick ihrer Gründung um 1615, der sie zum Markstein macht: jener, in dem das protestantische Deutschland seine eigene monumentale Sprache erfindet.

Symbole und Geheimnisse

Das Geheimnis der Stadtkirche liegt in ihrem Spruch: EXEMPLVM RELIGIONIS NON STRVCTVRAE. Indem er behauptet, der Bau bezeuge den Glauben und nicht die Baukunst, tut Fürst Ernst genau das Gegenteil — er baut ein Meisterwerk und zeichnet die Fassade mit seinem verborgenen Namen. Dieses Spiel bezeugt die fruchtbare Zweideutigkeit der „lutherischen Pracht": Wie lässt sich der Reichtum eines Baus mit der evangelischen Demut vereinbaren? Ernsts Antwort ist, dass die Schönheit selbst ein Akt des Glaubens sein kann, sofern sie dem Wort dient. Die Taufe von de Vries, die Kanzel von Hans Wolf sind die Werkzeuge dieses Credos.

Warum dieser Ort zählt

Weil die Bückeburger Stadtkirche das Manifest einer Wende ist: die Erfindung, zu Beginn des 17. Jahrhunderts, einer eigens protestantischen und doch prachtvollen Architektur und Ausstattung. Sie ist nach dem Urteil der Historiker einer der bedeutendsten Bauten des frühen Protestantismus in Norddeutschland. Mit dem nahen Schloss, Werk desselben Fürsten, bildet sie das Ensemble von Bückeburg: ein Ort, an dem man in einer Generation die „lutherische Pracht" entstehen sieht — und begreift, dass auch die Reformation aus Stein eine Rede zu machen wusste.

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