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Renaissance in Deutschland

Schloss Neuhaus

Paderborn

Schloss Neuhaus

Im Hof des Wasserschlosses Neuhaus trägt jedes Sandsteinportal ein Datum und ein Wappen: Liest man sie nacheinander, folgt man der Hand der Paderborner Fürstbischöfe, die hier fünf Jahrhunderte residierten. Vier Rundtürme wachen über dem Graben. Zugleich Prälaten und Herrscher, machten sie diese Residenz zum steinernen Register ihrer Macht.

Was man sehen sollte

Neuhaus ist ein Wasserschloss: ein Geviert aus vier Flügeln um einen Hof, von Gräften umgeben und an den Ecken von vier Rundtürmen flankiert. Diese regelmäßige, im Wasser gespiegelte Silhouette will man zuerst erfassen — sie bezeugt den Übergang von der Burg zum Palast, von der Verteidigung zur Repräsentation.

Treten Sie in den Innenhof. Dort liest sich die Geschichte des Baus, denn Neuhaus entstand in aufeinanderfolgenden Bauphasen, und jeder Flügel trägt sein Datum und sein Wappen. Suchen Sie die Renaissanceportale und die Wappensteine: Sie bilden ein steinernes Register der bauenden Fürstbischöfe. Der Südflügel, das Haus Braunschweig, ist der kostbarste: Schon 1524-1526 errichtet, zählt er zu den frühesten Werken der Weserrenaissance, mit für die Region noch neuen Formen. Hinter dem Schloss erstreckt sich ein Barockgarten, zu Beginn des 18. Jahrhunderts angelegt und in den 1990er Jahren getreu rekonstruiert: Er gehört einer anderen Zeit an, rahmt aber weiterhin das Haus. Die historischen Räume beherbergen heute ein Residenzmuseum und eine Schule.

Geschichte

Am Anfang stand ein festes Haus der Paderborner Bischöfe, seit dem Spätmittelalter bezeugt. Die Renaissance-Wandlung beginnt früh: Von 1524 bis 1526 lässt der Administrator Erich von Braunschweig-Grubenhagen durch den Werkmeister Jörg Unkair das Haus Braunschweig errichten, das heute die Südfassade bildet — einen Inkunabelbau der Weserrenaissance. Zwischen 1548 und 1560 kommt das Haus Kerssenbrock hinzu, von Rembert von Kerssenbrock gewollt. Schließlich lässt um 1590 der Fürstbischof Dietrich von Fürstenberg die Anlage zum Geviert schließen und die vier Rundtürme aufrichten: Das Schloss erhält die Gestalt, die man heute sieht.

Fünf Jahrhunderte lang war Neuhaus die Hauptresidenz des Fürstbistums Paderborn. Die Fürstbischöfe vereinten Geistliches und Weltliches: Kirchenprälaten, waren sie auch Landesherren, die Steuern erhoben, Recht sprachen und bauten. Dietrich von Fürstenberg war der bedeutendste von ihnen: Baumeister der Gegenreformation in Westfalen, führte er Paderborn zum Katholizismus zurück, rief die Jesuiten, gründete die Academia Theodoriana (1614) und vervielfachte die Bauten — Neuhaus, das Paderborner Rathaus, die Wewelsburg. Sein Schloss Neuhaus trägt die Erinnerung an diese konfessionelle Rückeroberung ebenso wie an die Baukunst.

1802 wird das Fürstentum von Preußen annektiert, und das Schloss hört auf, bischöfliche Residenz zu sein. Danach dient es als Kaserne — die Horrocks Barracks der britischen Truppen im 20. Jahrhundert — ehe es wieder ein öffentlicher Ort wird, geöffnet für Park, Museum und Unterricht. Vom festen Haus zum Türmepalast, von der Kaserne zum Museum fasst Neuhaus das lange Leben eines Wasserschlosses Nordwestdeutschlands zusammen.

Symbole und Geheimnisse

Die vier Rundtürme und die Gräften sind eine Sprache: Sie entlehnen der Burg ihre Grammatik, stellen sie aber in den Dienst der Parade. Ein Fürstbischof musste sich nicht mehr wie ein Kriegsherr verteidigen; er musste erscheinen, und ein regelmäßiges Wasserschloss machte Bild. Die Wappensteine des Hofes wiederum sind ein politischer Akt: Jeder Prälat, der baute, grub seine Wappen ein und schrieb seinen Namen in die Kontinuität eines Staates, der keine Erblichkeit kannte. Und das Haus Braunschweig erinnert daran, dass die Renaissance des Nordens hier früh geboren wurde, am Wasser der Pader, ehe sie die ganze Weser eroberte.

Warum dieser Ort zählt

Weil Neuhaus eine der Wiegen der Weserrenaissance ist: Mit Jörg Unkair und seinem Haus Braunschweig von 1524 fasst der neue Stil schon in den ersten Jahren Fuß. Weil es besser als jedes andere zeigt, was ein fürstbischöfliches Schloss war — ein Sitz geistlicher und weltlicher Macht, gebaut, um die Menschen zu überdauern. Und weil seine vier im Wasser gespiegelten Türme zum Bild Paderborns selbst geworden sind.

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