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Renaissance in Deutschland

Das Bremer Rathaus

Bremen

Das Bremer Rathaus

Am Markt von Bremen lässt der Rat der freien Stadt von 1609 bis 1612 dem alten gotischen Rathaus eine blendende Steinfassade vorblenden: das Werk des Baumeisters Lüder von Bentheim, ein Höhepunkt der Weserrenaissance. Giebel, Galerien, Figuren und Voluten verkünden die Unabhängigkeit einer Handelsstadt, die nur sich selbst untersteht. Davor hält der steinerne Roland dieselbe Wacht, doch die Fassade spricht die neue Sprache.

Was man sehen sollte

Die Marktfassade ist das große Schauspiel. Ein kräftiger Mittelrisalit mit flämischem Giebel wird von zwei kleineren Giebeln flankiert; die alten gotischen Spitzbogenfenster sind breiten Rechteckfenstern gewichen, und die einstige Zinnenbekrönung ist durch durchbrochene Balustraden ersetzt. Überall wimmelt es von Stein: Figuren, Reliefs, Köpfe, Engel, Fabelwesen — das Vokabular des niederländischen Manierismus, in fast schwindelerregender Dichte.

Im Inneren erstreckt sich die Obere Rathaushalle über 41 Meter unter einer bemalten Holzdecke mit 33 Kaisermedaillons. Hinter dem Risalit wurde 1605 die Güldenkammer eingerichtet: vergoldete Ledertapeten, kostbares Mobiliar, Schmuckstück der senatorischen Macht. Hier ermisst man, was eine freie Stadt von sich zeigen wollte: kaufmännischer Reichtum, in Dekor verwandelt.

Geschichte

Der Baukörper entsteht zwischen 1405 und 1410 als gotischer Saalgeschossbau: ein Saal über dem Erdgeschoss, Sitz des Rates der Hansestadt. Zwei Jahrhunderte später beschließt das durch den Fernhandel reich gewordene, auf seine Autonomie stolze Bremen, das Bild seines Rathauses zu erneuern. Zunächst werden 1595-1596 die Fenster verbreitert, dann legt von 1608 bis 1612 der Werkmeister Lüder von Bentheim aus Rheda dem alten gotischen Kern die neue Fassade vor, die wir heute bewundern. Er reißt nicht ab, er kleidet ein — darin liegt die ganze Kunst: die mittelalterliche Struktur zu bewahren und in eine entschieden moderne Sprache zu hüllen.

Das Gebäude beherbergte ununterbrochen die städtische Macht: Senat und Bürgermeister tagen noch immer hier. Im Juli 2004 wurde das Rathaus samt dem vorgelagerten Roland als außergewöhnliches Zeugnis bürgerlicher Selbstverwaltung in das UNESCO-Welterbe aufgenommen.

Symbole und Geheimnisse

Die Fassade ist eine politische Rede in Stein. In einer freien Reichsstadt, in der die Macht weder einem Fürsten noch einem Bischof, sondern dem Rat der Kaufleute gehört, ersetzt das Rathaus das Schloss: Hier verkörpert sich die Souveränität. Mit der Wahl des flämischen Manierismus statt eines fürstlichen Stils stellt sich Bremen an die Seite der großen niederländischen Handelsstädte, seiner Partner und Vorbilder. Figuren, Engel und Tiere sind kein bloßer Zierrat: Sie behaupten Würde, Alter und Wohlstand einer Gemeinschaft, die sich selbst regiert. Ein unscheinbarer Stein mit dem Datum „28.9.1787" erinnert daran, dass der Platz auch ein Ort der Justiz war, bis zu den letzten öffentlichen Hinrichtungen.

Warum dieser Ort zählt

Weil das Bremer Rathaus der Musterfall der auf die bürgerliche Macht angewandten Weserrenaissance ist: kein Neubau, sondern ein neu gedeuteter mittelalterlicher Körper, Zeichen einer Stadt, die nicht mit ihrer Vergangenheit bricht, sondern sie verklärt. Es zeugt von der Kraft der freien Städte Norddeutschlands am Vorabend des Dreißigjährigen Krieges und davon, wie Handel zu Architektur wird. Es ist eines der wenigen noch genutzten Renaissance-Rathäuser, und sein UNESCO-Status macht es zu einem europäischen Bezugspunkt der Geschichte städtischer Freiheiten.

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