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Renaissance in Deutschland

St.-Aegidius-Kirche Berne

Berne

St.-Aegidius-Kirche Berne

In der feuchten Ebene der Wesermarsch bewahrt die St.-Aegidius-Kirche in Berne einen seltenen Schatz: eine Renaissance-Orgel vom Ende des 16. Jahrhunderts, deren geschnitztes Gehäuse die Jahrhunderte in einer schlichten Hallenkirche überdauert hat. Fern der großen Städte prägte die reiche Musik hier die Identität einer Gemeinde. Man hebt den Blick zu diesem hölzernen Möbel wie zu einem Überlebenden.

Was man sehen sollte

Was man in Berne sehen muss, ist die Orgel. Ihr ältester Teil wurde zwischen 1593 und 1596 vom Meister Reinhard Lampeler van Mill erbaut, einem aus Brabant stammenden Orgelbauer: Die Gegenwart eines niederländischen Handwerkers in einem Dorf der Wesermarsch bezeugt für sich allein die Verbindungen, die diese Marschen über die Weser und das Meer mit der Welt der Niederlande verbanden. Es ist das bedeutendste in situ erhaltene Renaissanceelement und eine der ältesten Orgeln der Gegend.

Zu sehen ist sodann die Struktur: eine spätgotische Hallenkirche, deren polygonaler Chor im 15. Jahrhundert erneuert wurde und deren Gewölbe durch eine Inschrift die Jahreszahl 1577 tragen. Diese Gewölbe der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts gehören noch zu unserer Epoche. Der Großteil der hölzernen Ausstattung hingegen — der auf 1637 datierte Altar, die Kanzel von 1658, verschiedene Epitaphe — ist barock: spätere Zutaten, die man nicht mit der Renaissancesubstanz verwechseln darf. So sind es die Orgel und die Gewölbe, die hier die Botschaft des 16. Jahrhunderts tragen.

Geschichte

Berne ist eine Pfarre der Wesermarsch, jenes Marschlandes, das die Entwässerung vom Mittelalter bis in die Neuzeit bewohnbar und wohlhabend machte. Die St.-Aegidius-Kirche, mittelalterlicher Gründung, wurde über die Jahrhunderte umgestaltet; der polygonale Chor stammt aus dem 15. Jahrhundert, die Gewölbe wurden 1577 erneuert. Am Ende des 16. Jahrhunderts leistet sich die durch ihr dem Wasser abgerungenes Land bereicherte Gemeinde eine neue Orgel, dem brabantischen Orgelbauer Reinhard Lampeler van Mill anvertraut (1593-1596).

In den folgenden Jahrhunderten erhält die Kirche eine neue barocke Ausstattung — Altar (1637), Kanzel (1658), Epitaphe —, die den älteren Bestand teilweise überdeckt. Die Orgel selbst wurde umgebaut und erweitert, doch ihr Renaissancekern bleibt. Diese Schichtung ist zu lesen: eine gotische Hülle, ein Renaissancekern (Gewölbe und Orgel), ein barockes Gewand. Der Wert des Ortes liegt für den, der das 16. Jahrhundert sucht, in diesem bewahrten Kern.

Symbole und Geheimnisse

Berne bezeugt eine oft vergessene Wahrheit der Renaissance: Sie ist nicht nur Sache der Fürsten und der großen Städte. In einem Marschdorf findet eine protestantische Bauerngemeinde die Mittel für eine Orgel und holt dafür einen Meister aus Brabant. Die Orgel ist in Norddeutschland ein Gegenstand des Prestiges und des Glaubens: Geld für sie auszugeben, heißt die Würde einer Pfarre zu behaupten. Darin liegt das Geheimnis von Berne — in dem, was der Wohlstand der Marschen an Kunst ermöglichte, und in den Verbindungen über das Meer zu den benachbarten Niederlanden.

Warum dieser Ort zählt

Weil Berne die Weserrenaissance von unten zeigt: nicht das Schloss oder die fürstliche Kirche, sondern die Dorfkirche und ihre Orgel. Das Instrument von 1593-1596, eines der ältesten der Region, und die Gewölbe von 1577 genügen, um diesen Ort zu einem Zeugen des späten 16. Jahrhunderts in der Wesermarsch zu machen. Es ist auch eine nützliche Erinnerung für den Atlas: Die Renaissance hat nicht nur ein prunkvolles Gesicht; sie hat auch das stillere, nicht weniger wahre einer ländlichen Gemeinde, die am Ufer der Weser für ihren Gottesdienst eine neue Kunst wollte.

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