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Renaissance in Deutschland

Katharinenkirche (Zwickau)

Zwickau

Katharinenkirche (Zwickau)

Warum zählt die Katharinenkirche in Zwickau im Renaissance-Atlas? Weil diese um 1480 vollendete spätgotische Halle einen 1518 aus der Werkstatt Lucas Cranachs des Älteren hervorgegangenen Altar bewahrt und von 1520 bis 1521 die Pfarrei des radikalen Reformators Thomas Müntzer war: Kunst und Reformation verknüpfen sich hier besonders dicht.

Was zu sehen ist

Der Hochaltar, auf 1518 datiert und aus Cranachs Werkstatt, überrascht durch sein Thema: Er stellt als Hauptbild die Fußwaschung der Jünger durch Christus dar, eine seltene Szene, die die Demut ins Zentrum rückt, im Einklang mit den religiösen Debatten der Zeit. Die 1538 von Paul Speck geschaffene Kanzel ist mit pflanzlichen Rankenreliefs geschmückt, typisch für die frühe sächsische Renaissance: Ihr zentraler Platz erinnert daran, dass in der protestantischen Kirche die Predigt zum Kern des Gottesdienstes wird. Das Taufbecken, ein achteckiges Porphyrbecken mit Maßwerk- und Fialenschmuck, ergänzt diese Ausstattung. Die Kirche bewahrt auch einen auferstandenen Christus des sächsischen Bildhauers Peter Breuer (1497-1498), an der Wende von Gotik und Renaissance. Das Ganze — Altar, Kanzel, Skulpturen — macht St. Katharinen zu einem konkreten Zeugen dafür, wie eine Pfarrei im Reformationsjahrhundert ihr Mobiliar erneuerte.

Geschichte

Der heutige Bau ersetzte eine beim Stadtbrand von 1403 zerstörte Vorgängerkirche und wurde um 1480 vollendet, als Zwickau durch die Silbergruben des Erzgebirges gedieh. 1520-1521 wirkte Thomas Müntzer hier als evangelischer Prediger: Als unruhige Textil- und Bergstadt war Zwickau einer der frühen Herde der radikalen Reformation und der Erregung der „Zwickauer Propheten". In diesem brodelnden Umfeld fanden der kurz vor dem konfessionellen Bruch bestellte Cranach-Altar und dann die Kanzel von 1538 ihren Platz in der Kirche. 1989 wurde auf dem Platz ein Müntzer-Standbild des Bildhauers Jürgen Raue errichtet, Zeichen des dauerhaften Gedenkens an die Gestalt. Für den Atlas gilt St. Katharinen doppelt: als Schrein eines datierten Cranach und als Ort der kämpferischen Reformation, dort, wo Heiligenbild und gepredigtes Wort um die Wende der 1520er Jahre um den ersten Rang rangen.

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