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Renaissance in Deutschland

Rathaus Saalfeld

Saalfeld/Saale

Rathaus Saalfeld

Steigen Sie ins zweite Geschoss: Hier breitete sich einst die Gewandhalle aus, wo die Händler ihre Tuche auslegten. Für den Saalfelder Tuchhändler war dieses Eckhaus ebenso Ort des Handels wie der Regierung. Und seine Fassade ist ein Lehrbuch unter freiem Himmel: Der Kielbogen des Treppenturms und die Maßwerke sind noch gotisch, während die Kandelabersäulen des Erkers, die die auf 1534 datierten kursächsischen Wappen tragen, schon Renaissance sind. Zwei Zeitalter an einer Wand, vier Jahre auseinander — man sieht, in einer Fassade, eine Welt im Umbruch.# Das Rathaus SaalfeldAm Markt von Saalfeld, am Ufer der Saale, erhebt das Rathaus eine Eckfassade, auf der die ausgehende Gotik und die beginnende Renaissance im Stein nebeneinander bestehen. Von 1529 bis 1537 erbaut, zählt es zu den schönsten Zeugen der frühen Renaissance in Thüringen: ein Treppenturm im Kielbogen, skulptierte Erker, ein durchbrochener Balkon und das 1534 gehauene Wappen der sächsischen Kurfürsten.

Was man sehen sollte

Der Höhepunkt der Komposition ist der Treppenturm: achteckig, öffnet er sich mit einem Eingang im Kielbogen, jener kielförmigen Kurve, die noch ein gotisches Motiv ist. Gleich daneben springt im ersten Geschoss ein Balkon mit maßwerkdurchbrochener Brüstung, auf 1538 datiert, auf den Platz vor.

Betrachten Sie die beiden Erker. An der Ecke überzieht sich ein polygonaler Erker mit blindem Maßwerk — ebenfalls gotisch. Doch der benachbarte rechteckige Erker zeigt schon Kandelabersäulen im Renaissancegeist und trägt das sächsische Kurwappen, auf 1534 datiert. Auf dem Dach sind die Zwerchgauben mit Pilastern und Stuckgesimsen geschmückt. Im Inneren bewahrt das Erdgeschoss seine Kreuzrippengewölbe und den Ratskeller; die Geschosse Kassetten- und Balkendecken. Der auf 1538 datierte Balkon mit seiner maßwerkdurchbrochenen Brüstung springt über den Platz vor, und die Giebelgauben sind mit feinem Stuckwerk geschmückt. Im zweiten Geschoss, das einst den Tuchhändlern als Verkaufshalle diente, spürt man noch die doppelte Bestimmung des Hauses: Sitz des Rates und Herz des Handels.

Geschichte

Saalfeld, Stadt des ernestinischen Sachsen am Ufer der Saale, besaß schon im 14. Jahrhundert Rathäuser (1363, 1468, 1491). Der heutige Bau erhebt sich von 1529 bis 1537, gerade als Thüringen die Reformation annimmt und der Renaissancestil dort einzudringen beginnt.

Der Bau hatte eine doppelte Funktion: Haus des Rates, aber auch Gewandhaus — das zweite Geschoss diente ursprünglich den Tuchhändlern als Handelsort. Das Kurwappen von 1534 erinnert an die Zugehörigkeit der Stadt zu den ernestinischen Kurfürsten von Sachsen — eine Würde, die diese 1547 verlieren werden. Ein im 19. Jahrhundert angefügter Rundturm und bedeutende Restaurierungen (1978-1979) begleiteten das lange Leben des Monuments.

Was Saalfeld berührend macht, ist sein Datum: Von 1529 bis 1537 erbaut, ist es eines der allerersten Rathäuser Thüringens, die die neue Sprache aufnehmen, zu einer Zeit, da die meisten Maurer noch allein die Gotik kannten. Man sieht hier buchstäblich eine Generation von Handwerkern das Italienische der Architektur erlernen: Sie hauen eine Kandelabersäule neben ein Maßwerk, einen Kielbogen unter einen neuen Giebel. Die in den Stein eingetragenen Daten — 1534, 1538 — markieren dieses Erlernen wie die Seiten eines Heftes. Es ist eine Renaissance der Provinz, vorsichtig und hybrid, doch gerade durch solche Bauten gewann der Stil, von Stadt zu Stadt, ganz Deutschland.

Symbole und Geheimnisse

Das Rathaus Saalfeld ist ein wahres Lehrbuch des Übergangs. An ein und derselben Fassade teilen sich Gotik und Renaissance den Stein: Kielbogen und Maßwerk blicken in die Vergangenheit, die Kandelabersäulen in die Zukunft. Die eingehauenen Daten — 1534 für den Erker, 1538 für den Balkon — erlauben fast, Jahr um Jahr den Umschwung von der einen zur anderen Sprache zu verfolgen.

Die kaufmännische Funktion des zweiten Geschosses erinnert schließlich daran, dass das Rathaus nicht nur ein Ort der Macht war: Es war auch das wirtschaftliche Herz der Stadt, wo die Tuche verkauft wurden, die ihren Reichtum ausmachten.

Warum dieses Monument zählt

Weil es im Stein den Umbruchsmoment der deutschen Architektur festhält: Die Renaissance schleicht sich hier in eine noch gotische Struktur ein, ohne Bruch, in kleinen datierten Schritten. Das Rathaus Saalfeld ist einer der sprechendsten Zeugen jenes Thüringen des frühen 16. Jahrhunderts, in dem die alte und die neue Welt an einem Platz zusammenlebten.

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