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Renaissance in Deutschland

Altes Rathaus Düsseldorf

Düsseldorf

Altes Rathaus Düsseldorf

Am Markt von Düsseldorf, Residenzstadt der Herzöge von Jülich-Berg, errichtet das Bürgertum um 1573 sein Rathaus: einen Flügel aus rotem Backstein, seinen achteckigen Treppenturm, seinen Giebel in der neuen Mode. Der herzoglichen Macht gegenüber zeigt die Stadt in der Renaissance ihre eigene Würde. 1945 zerstört, wurde der Bau seinem Entwurf getreu wiedererrichtet: Die Silhouette, die man sieht, ist die von damals.

Was man sehen sollte

Stellen Sie sich mitten auf den Marktplatz, hinter das Reiterstandbild, und betrachten Sie die Nordfassade: Es ist der Renaissanceflügel, der älteste des Ensembles. Beachten Sie zuerst das Material — den Backstein, von einigen Steinelementen belebt —, das an die Bürgerhäuser der benachbarten Niederlande und Belgiens erinnert. Dann die Komposition: drei Geschosse, zwei geschweifte Zwerchgiebel und vor allem der Treppenturm, achteckig und fünfgeschossig, bekrönt von einem Dach mit Laterne. Dieser Turm ist die Signatur des Baus; er gliedert die Fassade und gibt ihr ihre Senkrechte. Suchen Sie oben an den Turmkanten die Pilaster und, weiter unten, das Portal mit Balkon: Es sind Zutaten von 1749 von Johann Joseph Couven, lesbar als spätere Schicht, dem Renaissance-Gerüst aufgepfropft. Vor allem komponiert das Reiterstandbild des Kurfürsten Johann Wilhelm von der Pfalz-Neuburg, genannt Jan Wellem, von Gabriel de Grupello (1711-1713), mit der Fassade ein berühmtes Bild. Behalten Sie beim Betrachten im Sinn, dass die sichtbare Fassade eine Wiederherstellung nach 1945 ist: Sie greift das alte Design getreu auf, einem neuen Baukörper vorgelegt. Es ist also die Renaissance-Silhouette — Backstein, Giebel, Turm —, die man hier lesen muss, mehr als dieser oder jener einzelne Stein.

Geschichte

Düsseldorf, Residenz der Herzöge von Berg, gibt sich mitten im 16. Jahrhundert ein modernes Rathaus. Zwischen 1570 und 1573 führt der Maurermeister Heinrich Tußmann aus Duisburg die Pläne eines Renaissanceflügels aus, der die Stadtverwaltung und die Versammlungen der Bürgermeister, Schöffen und Ratsherren aufnehmen soll. Der Bau aus Backstein übernimmt die schlichten Formen der niederdeutschen und niederländischen Renaissance; im Erdgeschoss dienten Hallen den Zünften zum Verkauf ihrer Erzeugnisse. Danach verdichtet sich das Ensemble: 1711-1713 wird das Reiterstandbild des Kurfürsten Johann Wilhelm von Gabriel de Grupello auf dem Platz aufgestellt; 1749 baut Johann Joseph Couven den Treppenturm um und fügt ein Portal mit Balkon hinzu. Der alte Flügel beherbergt die Landständeversammlungen bis 1806. Der Zweite Weltkrieg zerstört den Bau; nach 1945 wird nur die Fassade zum Markt wiederaufgebaut, während dahinter von 1958 bis 1961 ein neuer Baukörper, der Jan-Wellem-Saal, nach Plänen von Friedrich Tamms und H. Heyne entsteht. Das Rathaus bleibt bis heute Sitz der Stadtverwaltung.

Symbole und Geheimnisse

Das Alte Rathaus ist ein Sinnbild bürgerlicher Würde. In einer herzoglichen Residenzstadt behauptete das Rathaus das Dasein und die Rechte des Bürgertums: tagen, verwalten, handeln unter einem Dach, am Rand des großen Platzes. Die Wahl einer aus den Niederlanden stammenden Renaissance-Sprache ist nicht beiläufig; sie bindet Düsseldorf an die rheinisch-flämische Welt der Handelsstädte eher als an fürstliche Vorbilder. Der achteckige Treppenturm, senkrechter Orientierungspunkt, kündet von kommunalem Stolz. Auf dem Platz überlagert der Dialog mit Jan Wellem — dem Mäzenatenfürsten des Barock — zwei Mächte und zwei Jahrhunderte: die Stadt der Renaissance und den Hof des frühen 18. Jahrhunderts. Das stille Geheimnis des Ortes ist, dass er zum Teil ein wiederhergestelltes Bild ist: Hinter der wiederaufgebauten Fassade verbirgt sich ein Inneres des 20. Jahrhunderts. Wie in Köln oder Nürnberg hat Düsseldorf beschlossen, seinem öffentlichen Platz das Renaissance-Gesicht zurückzugeben, das der Krieg ihm genommen hatte, und dahinter die Moderne zu beherbergen.

Warum dieser Ort zählt

Das Alte Rathaus ist der wichtigste Zeuge der Profan-Renaissance in Düsseldorf und einer der Bezugspunkte der rheinischen Rathausarchitektur des 16. Jahrhunderts. Es zeigt, wie eine Stadt im Rheintal in Backstein und Giebeln das schlichte Vokabular der niederdeutschen und niederländischen Renaissance übernahm, fern des italienischen Prunks. Sein achteckiger Turm, seine geschweiften Giebel und seine Lage am Marktplatz machen es zu einer unverwechselbaren Silhouette, verknüpft mit der Erinnerung an Jan Wellem. Auch nach 1945 wiederhergestellt, bewahrt die Fassade dieses Design und ihre Funktion als bürgerliches Herz, noch immer aktiver Sitz der Stadtverwaltung. Um zu verstehen, wie sich die Renaissance in den öffentlichen Raum der Rheinstädte einschrieb — nicht durch den Palast, sondern durch das gemeinsame Haus —, ist das Alte Rathaus Düsseldorf eine erstrangige Station.

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