HitsMap

Die Renaissance in Dresden — die verborgene Schicht des 16. Jahrhunderts

Eine Stadt, deren Renaissance unter dem Barock verborgen liegt

Dresden gilt im Bild der meisten zuerst als Stadt des 18. Jahrhunderts: Zwinger, Frauenkirche, die Kuppeln Augusts des Starken. Dieser barocke Schmuck überdeckt fast vollständig eine ältere, schmalere Schicht — jene des 16. Jahrhunderts, als die Stadt an der Elbe zur ständigen Residenz der sächsischen Kurfürsten wurde. Die Dresdner Renaissance besitzt nicht die Dichte Nürnbergs oder Augsburgs; sie beschränkt sich auf wenige Bauten, wenige Männer und große Sammlungen. Doch sie begründet alles Spätere.

Das Residenzschloss, Herzstück der sächsischen Macht

Am Residenzschloss lässt sich diese Schicht am deutlichsten ablesen. Ab 1548 ließ Kurfürst Moritz von Sachsen den spätmittelalterlichen Palast zu einer weiträumigen Vierflügelanlage im Renaissancestil umbauen, geordnet um einen großen Hof — eine der ersten regelmäßigen Anlagen dieser Art nördlich der Alpen. Sein Bruder und Nachfolger August von Sachsen, der von 1553 bis 1586 regierte, vollendete das Werk und machte es zu einem Hauptwerk der sächsischen Renaissance. Ganz in der Nähe bewahren der Stallhof und sein langer Arkadengang aus den 1580er Jahren bis heute das italienisch geprägte Bild eines fürstlichen Hofes.

Nosseni und der italienische Geschmack am Hof

Der Übergang vom sächsischen Stil zum internationalen Manierismus ist eng mit einem Mann verbunden: Giovanni Maria Nosseni, Bildhauer und Architekt aus dem italienischsprachigen Tessin, seit 1575 am Dresdner Hof tätig. Mit den Marmoren und Alabastern Sachsens führte er ein verfeinertes Formenrepertoire ein, dessen Höhepunkt der nach ihm benannte Altar von etwa 1606 bildet: ein dreigeschossiger Aufbau und ein Zeugnis der manieristischen Kunst des Kurfürstentums um 1600. Nosseni starb 1620 in Dresden, an der Schwelle des Dreißigjährigen Krieges, der die Epoche beendete.

Die Renaissance in den Sammlungen

Wenige Bauten des 16. Jahrhunderts haben die barocken Jahrhunderte und die Bombardierung von 1945 überdauert; die Dresdner Renaissance liest sich daher vor allem in den Museen. Das Sammeln selbst ist eine Erfindung jener Zeit: August von Sachsen begründete 1560 im Schloss die Kunstkammer, aus deren fürstlicher Tradition die Stadt weit später das Grüne Gewölbe schöpfte.

Die Gemäldegalerie Alte Meister bewahrt heute Höhepunkte der deutschen Malerei. Dort hängt der Dresdner Altar, ein Triptychon, das Albrecht Dürer um 1496 für das kursächsische Haus schuf, sowie sein leuchtendes Bildnis des Bernhard von Reesen von 1521, in dem der Nürnberger Meister niederländische Überlieferung und venezianische Lehre verschmilzt. Von Lucas Cranach dem Älteren und seiner Werkstatt, den Kurfürsten und der Reformation eng verbunden, verwahrt die Galerie ein Paar Adam und Eva sowie eine Kreuzigung Christi, die Frömmigkeit und Sinnlichkeit der sächsischen Kunst zugleich bezeugen.

Die Schicht lesen, nicht die Fassade

Dresden bietet keine monumentale, zusammenhängende Renaissance. Es bietet etwas Besseres: unter der späteren Pracht die Spur eines Augenblicks, in dem ein Fürstenhaus die Elbe zur Hauptstadt wählte und Italiener wie deutsche Meister an sich zog. Der lange keramische Fürstenzug, erst viel später angebracht, erinnert noch an jene Linie der Wettiner, deren entscheidende Bauherren Moritz und August waren.

Französische Fassung · version française