Ehemalige Benediktiner-Klosterkirche von Lüneburg, ging St. Michaelis 1532 zum Protestantismus über. Aus dieser Wende stammt ein Teil ihrer Renaissance-Ausstattung: das Epitaph des ersten protestantischen Abtes und eine Kanzel des frühen 17. Jahrhunderts zeigen hier den Augenblick an, da ein mittelalterliches Kloster eine reformierte Gemeinschaft wurde, ohne seine Verstorbenen zu vergessen.
Was zu sehen ist
Das Epitaph des Abtes Herbord von Holle (gestorben 1555), des ersten protestantischen Abtes, befindet sich an der Südwand des westlichen Schiffs: ein Steinwerk mit geschnitztem Relief, dem Bildhauer Jürgen Spinnrad zugeschrieben, bezeugt es die Kontinuität der Abtswürde unter dem neuen Bekenntnis. Die 1602 aufgestellte Kanzel ist ein Werk Daniel Schwenckes aus Pirna, aus Elbsandstein: Ihre Hervorhebung spiegelt das protestantische liturgische Bedürfnis, auf die Predigt gerichtet. Ein Bronzebecken von 1487 im Nordschiff gehört noch der ausgehenden Gotik an. Die berühmte Goldene Tafel (frühes 15. Jahrhundert) ist hier nicht mehr zu sehen: 1796 verkauft, befindet sie sich heute im Landesmuseum Hannover und ist also als nicht in situ erhalten zu nennen. St. Michaelis ist als Kirche eines protestantisch gewordenen Klosters zu lesen, dessen Renaissance-Ausstattung den Handwechsel bezeugt.
Geschichte
Das Benediktinerkloster St. Michaelis, dem Adel und den Salzpatriziern Lüneburgs verbunden, wurde ab 1532 „ganz evangelisch". Diese Umwandlung erklärt das Profil seiner Ausstattung: keine großen mittelalterlichen Retabel mehr, sondern eine hervorgehobene Kanzel und Würdenträgerepitaphe, allen voran das Herbord von Holles, der die institutionelle Kontinuität verkörperte. Die Klosterschule blieb ein angesehener Ausbildungsort, an dem künftige Musiker lernten. Für den Atlas zeigt St. Michaelis die Renaissance einer reformierten Klostergemeinschaft: ein mittelalterlicher Bau, dessen Zutaten des 16. und frühen 17. Jahrhunderts — Abtsepitaph, Sandsteinkanzel — den Wandel einer Abtei zur lutherischen Pfarrei erzählen, den Toten treu und auf das Wort bedacht.

