In Ulrichshusen spiegelt sich ein Renaissance-Wasserschloss in seinem mecklenburgischen Teich — doch was man sieht, wäre beinahe verschwunden: Ein Brand verheerte es 1987, ehe es ab 1993 getreu seiner Gestalt des 16. Jahrhunderts wiedererstand. Rundturm, Wohntrakt, Gräben: die Silhouette eines protestantischen Landadelssitzes. Man ermisst hier, was die Geduld einer Restaurierung wert ist.
Was man sehen sollte
Das Schloss gibt sich als Wasserschloss zu erkennen: ein ans Wasser gesetzter Baukörper, dessen helle Masse sich im Teich spiegelt. Das Gebäude zählt drei Geschosse und wird von Treppengiebeln bekrönt, jenen stufenförmigen Giebeln, die für die norddeutsche Backsteinarchitektur typisch sind. An der Südseite belebt ein runder Treppenturm die Silhouette und markiert den Zugang zu den Geschossen. Das Ganze liest sich als befestigte Herrensitz, der dem Renaissancegeschmack angepasst wurde und in dem die Schutzfunktion des Wassers zum Reiz geworden ist.
Um das Hauptgebäude bewahrt der Ort die Gliederung eines Guts: das Torhaus, die Wirtschaftsbauten und vor allem eine große Scheune, die heute in einen Konzertsaal verwandelt ist. Gerade in diesem Zusammenspiel von Schloss, Wasserfläche und Wirtschaftsgebäuden erfasst man am besten das Leben eines mecklenburgischen Adelsguts. Die umgebende Landschaft aus Seen, Wiesen und Wäldern ist Teil des Gesamteindrucks: Ulrichshusen ist kein Stadtschloss, sondern eine ländliche Residenz, in Einklang mit der Natur der Seenplatte gedacht. Wer die Anlage umrundet, begreift, wie Wasser, Stein und Landschaft einander antworten.
Geschichte
Ulrichshusen ist seit Langem mit der Familie von Maltzahn verbunden, einer der großen Adelslinien Mecklenburgs. 1562 lässt Ulrich von Maltzahn das Wasserschloss errichten, das dem Ort seinen Vornamen gibt. Das Gut bleibt in der Familie und durchquert die Jahrhunderte als Residenz und landwirtschaftlicher Betrieb, inmitten einer Landschaft aus Seen und Wäldern.
Das 20. Jahrhundert ist hart für das Schloss. Nach dem Zweiten Weltkrieg und der DDR-Zeit verfällt der Bau; 1987 zerstört ein Brand den Hauptbaukörper fast vollständig. Der Wiederaufbau ist das Werk Helmuth von Maltzahns, der ab 1993 und in Abstimmung mit den Denkmalbehörden die Anlage in ihrer Renaissanceform wiederherstellen lässt. Seit 1994 beherbergt das Gut die Konzerte der Festspiele Mecklenburg-Vorpommern: Die Scheune wird zum Saal, und Ulrichshusen zu einem der beliebtesten musikalischen Treffpunkte der Region.
Symbole und Geheimnisse
Schon der Name des Ortes ist eine Botschaft: Ulrichshusen, „das Haus Ulrichs“, schreibt die Erinnerung an seinen Erbauer Ulrich von Maltzahn in die Toponymie ein. Die Treppengiebel, der Treppenturm und der Spiegel des Teichs bilden das Vokabular eines Provinzadels, der um die Mitte des 16. Jahrhunderts die Formen der Renaissance übernimmt, ohne auf das vom Mittelalter geerbte wehrhafte Bild zu verzichten. Die jüngere Geschichte fügt eine weitere Lehre hinzu: die eines Denkmals, das man nach dem Feuer aus Treue zu seiner alten Gestalt wiederherstellte, statt es als Ruine aufzugeben.
Warum dieser Ort zählt
Ulrichshusen ist eines der anrührendsten Renaissance-Wasserschlösser Mecklenburgs und ein Zeugnis dafür, wie sich der kleine und mittlere Adel der Region schon in den 1560er Jahren moderne Residenzen schuf. Sein Wiederaufbau nach dem Brand von 1987 macht es zugleich zu einem Sinnbild der denkmalpflegerischen Wiedergeburt Ostdeutschlands nach 1990. Als Festspielort vereint es heute die Geschichte des Baus mit einem intensiven kulturellen Leben.

