In Freyenstein, einem Ort der Prignitz, heute zu Wittstock/Dosse gehörig, ist das Neue Schloss ein festes Haus der Renaissance, in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts errichtet. An das befestigte Stadttor angelehnt, gehört der Bau zum Typus des „festen Hauses", das die Wehrfunktion eines Platzes mit dem aufkommenden Komfort eines herrschaftlichen Wohnsitzes verbindet.
Was zu sehen ist
Das Neue Schloss ist ein rechteckiger, dreigeschossiger Baukörper aus gemischtem Mauerwerk auf älteren Fundamenten. An der zur Stadt gewandten Fassade lesen sich die beiden Merkmale, die den Renaissancegeschmack verraten: mittig ein Treppenturm und daneben ein Standerker, der die Wand belebt und den Prunkraum markiert. Schon die Lage des Baus, an das Stadttor gesetzt, erzählt den Augenblick, in dem der Adel die abgelegene Burg für einen in das Stadtgefüge eingebundenen Wohnsitz verließ, ohne ganz auf die Wehrelemente zu verzichten. Seit 1992 wurde der Bau schrittweise saniert; heute beherbergt er eine Bibliothek und eine Außenstelle des Standesamts, und seine Erdgeschossräume dienen Veranstaltungen. Wenige Schritte entfernt ergänzt das Alte Schloss, von 1551 bis 1572 von Domenicus Parr erbaut, das Bild mit seinem berühmten Terrakottaschmuck, der Werkstatt des Lübecker Meisters Statius von Düren zugeschrieben: In Freyenstein erzählen zwei benachbarte Renaissanceschlösser dieselbe Generation.
Geschichte
Die von Rohr, ein brandenburgisches Adelsgeschlecht, hielten die Herrschaft Freyenstein. Dietrich von Rohr gilt als Bauherr des Neuen Schlosses, das in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts als Residenz im Herzen des Städtchens errichtet wurde. Das Konzept eines an das Stadttor gelehnten festen Hauses ist kennzeichnend für eine Grenzregion, die Prignitz, in der Sicherheit ein Anliegen blieb, während sich zugleich die neuen Formen aus dem Süden durchsetzten. Das Ensemble von Freyenstein — Neues Schloss, Altes Schloss mit Terrakotta, Befestigung — zählt zu den dichtesten Zeugnissen der adligen Renaissance im Nordwesten Brandenburgs, einer sonst an erhaltener Architektur der Zeit armen Gegend. Für den Atlas gilt das Neue Schloss als datiertes, lesbares Beispiel des Wohnsitzes des brandenburgischen niederen Adels im 16. Jahrhundert.

