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Renaissance in Deutschland

Schloss Ehrenburg

Coburg

Schloss Ehrenburg

Für den letzten Franziskaner, aus seinem Kloster vertrieben, heißt es, hier ab 1543 die Residenz Herzog Johann Ernsts emporwachsen zu sehen, mit einem Blick zu ermessen, was die Reformation umstürzte. Coburg ist eine lutherische Bastion — Luther selbst weilte 1530 auf der nahen Veste —, und auf den Mauern des aufgehobenen Klosters errichten die Werkmeister Gromann und Vischer den dreigeschossigen Fürstenbau. Von der Renaissancekampagne bleiben der Treppenturm, das Eckerkerchen und die Giebelgauben des ersten Hofs: ein Palast, buchstäblich aus dem Stein eines eben abgeschafften Glaubens geboren.# Schloss EhrenburgMitten in Coburg trägt die Ehrenburg mehrere Jahrhunderte im Gesicht: neugotische Fassaden des 19. Jahrhunderts, barocke Wiederaufbauten nach dem Brand von 1690. Doch wer den ersten Hof zu lesen weiß, erkennt noch einen Renaissance-Kern — den der 1540er Jahre, als ein lutherischer Herzog seine Residenz auf den Resten eines Klosters errichtete.

Was man sehen sollte

Das Wesentliche der Renaissance konzentriert sich im ersten Hof, den man einst von der Steingasse aus betrat. Dort haben sich der Treppenturm, ein Eckerker und die Zwerchhäuser aus der Bauzeit Herzog Johann Ernsts erhalten. Suchen Sie gezielt nach diesen Elementen: Sie sind die unmittelbaren Zeugen des Baus im 16. Jahrhundert, dort, wo der übrige Bau tiefgreifend verändert wurde. Die heute sichtbare Hauptfassade, englisch-neugotisch, gehört ins 19. Jahrhundert; sie darf den Blick auf den alten Kern nicht verstellen. Die Ehrenburg zu betrachten heißt, die Schichten zu unterscheiden: im ersten Hof die Renaissance-Silhouette unter dem jüngeren Gewand zu erkennen.

Geschichte

1543 lässt Herzog Johann Ernst seine Residenz an der Stelle eines in der Reformation aufgelösten Franziskanerklosters errichten. Der Entwurf wird Nikolaus Gromann zugeschrieben, die Bauleitung lag bis etwa 1547 bei Caspar Vischer. Die Anlage ordnet sich um zwei rechteckige Höfe, mit einem dreigeschossigen Fürstenbau samt großem Saal und Speisesaal. Danach erlebt der Bau ein bewegtes Schicksal: Ein Brand von 1690 zerstört den nördlichen Renaissance-Teil und führt zu einem barocken Wiederaufbau, der den Palast gleichsam zur nördlichen Ehrenhofseite hin „umkehrt". Im 19. Jahrhundert erhalten die Fassaden ein neugotisches Kleid und die Innenräume eine Ausstattung im Empire-Geschmack. Von der Renaissance bleiben im Wesentlichen nur die erhaltenen Teile des ersten Hofes.

Symbole und Geheimnisse

Die Ehrenburg ist vor allem eine konfessionelle Geste. Eine herzogliche Residenz auf einem säkularisierten Kloster zu errichten — in Coburg, einem Herd des Luthertums, wo Luther selbst 1530 auf der Veste weilte —, heißt, den Sieg der Reformation und die neue Herrschaft des Fürsten über das Kirchengut in Stein zu schreiben. Schon der Name „Ehrenburg" besiegelt den dynastischen Anspruch. Im ersten Hof künden Treppenturm und Zwerchhäuser vom Renaissance-Geschmack für Ordnung und beherrschte Vertikale, bevor die folgenden Jahrhunderte den Rest neu formten.

Warum dieser Ort zählt

Die Ehrenburg veranschaulicht ein Schlüsselphänomen der deutschen Renaissance: die Umwandlung von Klostergut in Fürstenresidenzen nach der Reformation. Ihr Kern aus den 1540er Jahren gehört zu den frühen großen Residenzbauten Frankens, in einer Zeit, als sich das Renaissance-Vokabular nördlich der Alpen durchzusetzen beginnt. Auch unter Barock und Neugotik verborgen, bleibt dieser Kern für Kenner des ersten Hofes lesbar und macht das Schloss zu einem Lehrstück dafür, wie ein Bauwerk sich über Jahrhunderte schichtet und doch die Erinnerung an seine Gründung bewahrt.

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