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Renaissance in Deutschland

Landgrafenschloss Marburg

Marburg

Landgrafenschloss Marburg

Im Schloss der hessischen Landgrafen setzen sich im Oktober 1529 Luther und Zwingli an denselben Tisch: Landgraf Philipp der Großmütige wollte die Häupter der Reformation versammeln, um ihre Lehren in Einklang zu bringen. In vierzehn Punkten einigen sie sich, am fünfzehnten scheitern sie — dem Abendmahl. Im großen Saal dieses die Stadt überragenden Schlosses spielte sich eine der Gründungsszenen des Protestantismus ab.

Was man sehen sollte

Zuerst gilt es die Lage zu betrachten: Das Schloss krönt den Schlossberg auf 287 Metern, Herr der Landschaft, erste Residenz der Landgrafschaft Hessen. Dann, im Inneren, den Fürstensaal, einen gewaltigen zweischiffigen gotischen Raum von 482 m², einen der größten und schönsten Profanräume Mitteleuropas. Ist seine Struktur gotisch, so trägt sein Schmuck die Renaissance: ein großer Ofen und zwei Türgewände aus Edelholz mit Intarsien, Werke des 16. Jahrhunderts, bezeugen den Übergang vom mittelalterlichen Schloss zur fürstlichen Residenz der Renaissance.

Sehen Sie dann den Wilhelmsbau, einen dreigeschossigen Wohnbau, zwischen 1493 und 1497 im Osten des Schlosses auf den Resten einer bogenförmigen Stützmauer errichtet: die Erweiterung, die das Schloss in die Neuzeit führte. Und vor allem halten Sie am Südflügel (Landgrafenbau) inne: Hier fand 1529 das Marburger Religionsgespräch statt. Man betrachtet nicht nur einen Saal, sondern einen Ort der Geschichte — die Stelle, an der das protestantische Europa vergeblich versuchte, geeint zu bleiben.

Geschichte

Der schon im frühen Mittelalter befestigte Ort wird zur ersten Residenz der Landgrafschaft Hessen. Acht große Bauphasen, vom Jahr Tausend bis ins 20. Jahrhundert, machen daraus ein Architekturbuch. Das Ende des 15. Jahrhunderts bringt mit dem Wilhelmsbau (1493-1497) die entscheidende Note, einem modernen dreigeschossigen Wohnbau. Doch es ist das 16. Jahrhundert und ein Mann, die Marburg seinen Platz in der Weltgeschichte geben: Philipp der Großmütige, Landgraf von Hessen, einer der politischen Führer der Reformation.

Im Oktober 1529 beruft Philipp das Marburger Religionsgespräch auf das Schloss: Er versammelt die großen protestantischen Theologen — an erster Stelle Martin Luther und Huldrych Zwingli —, um ihre Gegensätze zu überwinden und eine gemeinsame Front gegen den katholischen Kaiser zu bilden. Die Debatte scheitert am Abendmahl: Luther hält an der realen Gegenwart Christi in Brot und Wein fest, Zwingli sieht darin nur ein Zeichen. Die beiden Männer stimmen in fast allem überein, nur nicht in diesem Punkt — und der Bruch besiegelt die dauerhafte Trennung zwischen Lutheranern und Reformierten. So wird Marburg zum Ort einer der Gründungszäsuren des Protestantismus. Im Lauf der Jahrhunderte verliert das Schloss seine Rolle als Residenz; heute beherbergt es das Museum für Kunst und Kulturgeschichte der Universität Marburg.

Symbole und Geheimnisse

Der Fürstensaal fasst das Schloss zusammen: ein mittelalterliches Gerüst, von der Renaissance gekleidet, ein Machtraum, in dem sich der Hof zeigte. Doch das wahre Geheimnis Marburgs ist unstofflich: ein Gespräch. 1529 versuchten im Südflügel einige Männer zusammenzuhalten, was sich trennen sollte. Das Schloss bewahrt die Erinnerung an jenen Augenblick, in dem ein Wort — „das ist mein Leib" — genügte, um eine junge Kirche zu spalten. Wenige Orte tragen eine so genaue Last: Hier passt die Geschichte in einen Satz.

Warum dieser Ort zählt

Weil Marburg einer der großen Orte der europäischen Reformation ist. Als Residenz der Landgrafen von Hessen war das Schloss 1529 Schauplatz des Gesprächs, das die Trennung zwischen Luther und Zwingli besiegelte — ein Ereignis von weltgeschichtlichem Rang. Dazu kommt die bauliche Substanz: der Wilhelmsbau des späten 15. Jahrhunderts, der Fürstensaal und sein Renaissanceschmuck. Es ist ein Schloss, in dem sich Kunst, Macht und Glaube des 16. Jahrhunderts an einem einzigen Ort verdichten, hoch über der Stadt auf seinem Felsen.

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