Steigen Sie zur Kapelle hinauf und warten Sie auf den ersten Ton. Daniel Meyer baute hier von 1587 bis 1589 eine der größten noch spielbaren Renaissanceorgeln Europas, mit hölzernen Pfeifen; für den Hoforganisten ist es das Instrument einer als Glaubensbekenntnis gedachten Kapelle. Alles ist dort nach lutherischer Theologie ausgerichtet — Altar, Taufstein, Kanzel und Orgel auf einer Achse —, in einem hellen Saal mit zwei Emporen. Und der Ort ist nicht beliebig: Schmalkalden gab dem Schmalkaldischen Bund seinen Namen, dem Bündnis der protestantischen Fürsten gegen Karl V. Ein halbes Jahrhundert später hier eine Musterkapelle zu bauen, hieß, die Residenz in das Gedächtnis dieses Kampfes einzuschreiben.# Schloss WilhelmsburgAuf einer Höhe über dem Städtchen Schmalkalden ist Schloss Wilhelmsburg eines der besterhaltenen Renaissanceschlösser Deutschlands: in einem Zug von 1585 bis 1590 für Landgraf Wilhelm IV. von Hessen erbaut, hat es sich kaum verändert. Man betritt es wie einen am Ende des 16. Jahrhunderts angehaltenen Fürstenpalast — mit seiner lutherischen Schlosskirche, seiner originalen Orgel und seinen bemalten Sälen.
Was man sehen sollte
Das Schloss schließt sich in vier Flügeln um einen Hof. Im Obergeschoss öffnet sich im Osten der Riesensaal, der große Festsaal; im Westen, enger, die Wohnung des Landgrafen. Überall laufen Wandmalereien und Stuckaturen der hessischen Hofkünstler — ein dichtes, gelehrtes Dekor, das die Jahrhunderte nicht übertüncht haben.
Doch das Juwel ist die Schlosskirche. Hell, mit zwei übereinanderliegenden Emporen, ordnet sie Altar, Taufstein, Kanzel und Orgel nach rein lutherischer Logik: Wort und Gesang im Zentrum des Gottesdienstes. Heben Sie den Blick zur Orgel: von 1587 bis 1589 von Daniel Meyer aus Göttingen mit hölzernen Pfeifen gebaut, zählt sie zu den kostbarsten noch spielbaren Renaissance-Orgeln Europas. Steigen Sie schließlich zum Terrassengarten am Südhang hinab, der die Residenz zur Landschaft hin verlängert.
Geschichte
1583 werden die Landgrafen von Hessen alleinige Herren der lange mit den Grafen von Henneberg geteilten Herrschaft Schmalkalden. Sogleich erhebt Wilhelm IV. von Hessen-Kassel die Stadt zur Nebenresidenz. Er lässt die alte mittelalterliche Burg abtragen und beginnt schon 1584 den Bau eines neuen, nach ihm benannten Schlosses. Im Mai 1590 wird die Kapelle geweiht und das Schloss bewohnt; sein Sohn Moritz setzt den Ausbau bis um 1618 fort.
Der Ort ist nicht beliebig. Schmalkalden gab dem Schmalkaldischen Bund den Namen, dem 1531 gegen Kaiser Karl V. geschlossenen Bündnis protestantischer Fürsten und Städte. Dort ein halbes Jahrhundert später ein Schloss zu bauen, dessen Kapelle ein Muster reformierten Gottesdienstes ist, hieß, die Residenz in dieser Erinnerung zu verankern. Wilhelm IV., gebildeter und der Astronomie zugetaner Fürst, hinterließ einen Palast, der durch Glück und Sorgfalt fast so geblieben ist, wie er ihn gewollt hatte.
Der Landgraf von Hessen-Kassel zählte zu den gelehrtesten Fürsten des Reiches: Wilhelm IV. unterhielt eine Sternwarte und stand mit den Astronomen seiner Zeit in Briefwechsel. Sein Sinn für Ordnung und Wissenschaft spricht aus diesem hellen, regelmäßigen Schloss, als ein zusammenhängendes Ganzes vom Rohbau bis zum kleinsten Dekor gedacht. Die Schlosskirche ist dessen moralischer wie architektonischer Mittelpunkt: Indem er sie zu einem Muster des lutherischen Gotteshauses machte, behauptete Wilhelm die konfessionelle Identität seines Hauses, auf einem Boden, auf dem die Erinnerung an den Schmalkaldischen Bund lebendig blieb. Seine Söhne erbten es unversehrt, und die ausnahmsweise milde Zeit hat es uns fast vollständig überliefert — der Grund, warum man hier heute besser als anderswo die höfische Kultur der deutschen Renaissance studiert, von der bemalten Wand bis zum klingenden Holz der Orgel.
Symbole und Geheimnisse
Die Kapelle von Wilhelmsburg ist ebenso Manifest wie Gebetsort: Indem sie Altar, Kanzel und Orgel ausrichtet, übersetzt sie die lutherische Theologie in Stein und Holz, in der das gepredigte Wort und der Choral so viel zählen wie das Sakrament. Die erhaltene Orgel mit ihren hölzernen Pfeifen lässt noch den Klang der Renaissance selbst hören. Und die außergewöhnliche Erhaltung des Ganzen hat etwas von einem Wunder: Wo so viele Schlösser abbrannten oder erneuert wurden, spricht Wilhelmsburg mit einer unversehrten Stimme ihrer Zeit.
Warum dieser Ort zählt
Weil er schlicht einer der vollständigsten Zeugen höfischer Renaissance-Architektur in Deutschland ist: keine Ruine, kein Wiederaufbau, sondern ein lebendiger Palast des späten 16. Jahrhunderts, mit seinem Dekor, seiner Kapelle und seiner Orgel. Wilhelmsburg ist der Ort, an dem man die Renaissance ebenso hört, wie man sie sieht. Wo andernorts nur Mauern oder Rekonstruktionen blieben, hat sich hier ein ganzes Ensemble erhalten — Säle, Malereien, Kapelle und klingende Orgel —, sodass der Besucher dem Jahr 1590 so nahe kommt wie an kaum einem zweiten Ort in Deutschland.

