Hans Kemmer — 1537 — Öl auf Holz Niedersächsisches Landesmuseum Hannover (Inv. PAM 796)
Kunstgeschichte
Hans Kemmer (um 1495-1561) ist der wichtigste Maler der Reformation in Lübeck. Um 1515-1520 bei Lucas Cranach dem Älteren in Wittenberg ausgebildet, passte er ein cranachsches Formenrepertoire einer bürgerlich-lutherischen Kundschaft an. Auf dieser Tafel von 1537 segnet Christus als Salvator Mundi mit der Rechten und hält die Kreuzweltkugel, während die Stifter Carsten Timmermann und Elisabeth betend zu seinen Füßen knien. Die Formel verbindet das mittelalterliche Stifterbild mit der neuen, auf den Erlöser gerichteten reformatorischen Frömmigkeit. Das Werk verbindet die niedersächsischen Sammlungen mit der Lübecker Werkstatt Kemmers.
Symbolik
Die Kreuzweltkugel: Herrschaft Christi. Das Knien der Stifter: unmittelbarer Zugang des Gläubigen zum Erlöser nach lutherischer Theologie.
Geheimnisse
Kemmer, lange von Cranach überschattet, bleibt wenig dokumentiert; Maße und Bildträger sind in den zugänglichen Quellen nicht angegeben.
Emotionen
Gesammelte Ernsthaftigkeit: stilles Gebet der Stifter, milder, friedvoller Christus.
Führerwort
Christus beherrscht das Bild, doch die Gesichter des Ehepaars sind fast Porträts. Privates lutherisches Andachtsbild von 1537. Die Geste der Weltkugel stammt aus Wittenberg.
Anekdote
Lübeck trat 1531 zur Reformation über; Kemmer ist einer der wenigen, die diesen Umbruch für die Hanse in Bilder übersetzten.

