Lucas Cranach der Jüngere — 1546 — Malerei auf Holz, 224 × 112 cm Staatliches Museum Schwerin, Museum Schloss Güstrow (Inv. G 864)
Kunstgeschichte
Mit dieser monumentalen Tafel schuf Cranach der Jüngere die erste lebensgroße Ganzfigurdarstellung Martin Luthers. Datiert 1546, dem Todesjahr des Reformators, geht das Bildnis wohl auf einen Holzschnitt Cranachs des Jüngeren desselben Jahres zurück. Es bricht mit den seriellen kleinen Brustbildern der Werkstatt: Luther steht im schwarzen Talar in einer Nische, deren Bogen AETATIS SVAE LXIII trägt. Das Format verleiht fast amtliche Autorität. Das unten links mit der geflügelten Schlange bezeichnete Werk gehört den Schweriner Sammlungen und wird in Güstrow gezeigt.
Symbolik
Talar: Diener am Wort, kein Mönch. Heiligen-/Fürstennische für einen Weltlichen. Altersinschrift: dokumentarische Wahrheit im Augenblick der Trauer.
Geheimnisse
Nach Luthers Tod (18. Februar 1546) gemalt: Gedenkbild und Prototyp zahlreicher abgeleiteter Ganzfiguren.
Emotionen
Ernste, imposante Präsenz; müdes und entschlossenes Gesicht; Respekt vor moralischer Autorität, getönt von Trauer.
Führerwort
Über zwei Meter: erstmals Luther aufrecht, lebensgroß, wie ein Fürst in der Nische. Pfarrertalar, „in seinem 63. Jahr", 1546: ein Abschied.
Anekdote
Die Cranach-Werkstatt stellte Lutherbildnisse zu Dutzenden her; die Ganzfigur von 1546 verwandelt das serielle Bild in ein Monument.

