Lucas Cranach der Jüngere — nach 1537 — Öl auf Eichenholz, 48,5 × 73,2 cm Hamburger Kunsthalle (Inv. HK-299)
Kunstgeschichte
Die Caritas ist die höchste der drei göttlichen Tugenden. Das Cranach Digital Archive schreibt diese Tafel Lucas Cranach dem Jüngeren zu und datiert sie „nach 1537", womit es die ältere Zuschreibung an den Vater revidiert. Das Werk gehört zu einer seit 1529 in über zehn Fassungen variierten Reihe. Eine nackte Mutter stillt am Fuß eines Baumes einen Säugling, umgeben von Kindern, während zwei Knaben Äpfel herabschlagen; in der Ferne eine Burg. Das Emblem der geflügelten Schlange und das Wort CARITAS stehen auf dem Stamm. Das Thema preist die Nächstenliebe: Der Baum gibt seine Früchte, wie die Mutter ihre Milch.
Symbolik
Mutter und Kinder = das maßlose Schenken der Caritas. Der großzügige Apfelbaum verdoppelt den Gedanken. Das Wort CARITAS sichert die Allegorie.
Geheimnisse
Zuschreibung vom Vater auf den Sohn revidiert durch das Cranach Digital Archive; gleiches Zeichen und gleiche Vorlagen in der Familienwerkstatt verwischen die Hände.
Emotionen
Sinnliche, friedvolle Sanftheit; moralische Zärtlichkeit statt Erregung.
Führerwort
Lesen Sie CARITAS am Stamm: keine Mutter, sondern die Caritas. Der Baum gibt, die Mutter gibt. Suchen Sie die geflügelte Schlange, Signatur der Cranach-Werkstatt.
Anekdote
Mindestens elf Fassungen seit 1529: die Tugend als Serienprodukt für Sammler.

